Wer sorgt für Nachhaltigkeit: Planwirtschaft oder Marktwirtschaft?

Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass wir in einer Zeitenwende leben. Eine Revolution deutet sich an, die für Liberale und Österreicher allerdings wie kalter Kaffee anmutet. Wer die Gazetten durchblättert, der wird permanent und penetrant mit einer Ideologie besprüht, für die es noch keine treffende aktuelle Bezeichnung gibt. Primat der Politik erscheint zu neutral. Sozialismus und Planwirtschaft sind zu vergangenheitsbehaftet. Interventionismus klingt zu unpräzise. Politische Korrektheit, Sozialingenieurstum, Klickenwirtschaft und auch geistige Korruption gehören als Bestandteile dazu. Das schöne Wort „absurd“ fängt den Irrsinn treffend ein. Schade, Wilhelm Röpke hätte mit Sicherheit einen Begriff für die politische Demenz geprägt, unter der weite Teile der prominenten Öffentlichkeit leiden.

Warum deutet sich aber für mich eine Zeitenwende an? Weil auf fast jedem Gebiet, mit dem ich mich beschäftige, die Fehler der veröffentlichten Meinung unübersehbar werden. Das gilt nicht für die Wirtschafts- und Sozialpolitik, für die Außen-, Europa- und Sicherheitspolitik, für die Entwicklungspolitik, für Einwanderungspolitik und die Politik der inneren Sicherheit, aber auch für das Recht und nicht zuletzt für Klimapolitik und den Umgang mit der Natur. Ein Massensterben von vermeintlichen Gewissheiten deutet sich an. Aber der allgegenwärtige Unfug wird vielleicht mit den Lemmingen die Klippe runterstürzen oder weniger dramatisch ausaltern. Ideologie und Realität passen einfach nicht mehr zusammen.

Worauf ich eigentlich hinweisen wollte ist das Thema Nachhaltigkeit. Peter Deegen, Professor für Forstpolitik und Forstliche Ressourcenökonomie an der TU Dresden, gibt mit einem sehr lesenswerten Artikel Einblick in sein Forschungsprojekt. Die frohe Botschaften lautet: Die Marktwirtschaft rockt – erneut sorgen eher Märkte als planende Bürokraten für Nachhaltigkeit. Damit rückt die liberale Rahmenordnung in den Vordergrund.

Was hat Peter Deegen zu berichten? Zunächst, dass es einen guten Umgang des Menschen mit der Natur seit Jahrtausenden gibt – anders als heute, wo der Mensch scheinbar nur noch als Umweltzerstörer daherkommt und nur die Politik den Planeten retten kann. Natürlich gab es schon immer Raubbau und Entwaldung. Die Regeln machten offenbar den Unterschied.

Dann direkt zum Thema Nachhaltigkeit: Es gibt zwei Schulen: Die bekanntere ist die planmäßig handelnde, die der kameralistisch-forstwissenschaftlichen Entwicklung. Weitgehend unbekannt, aber absehbar bedeutender ist indes die zweite, die mit dem Namen Johann Heinrich von Thünen verbunden ist. Der schuf ein „Modell einer Landschaft .., deren Strukturen sich allein auf der Basis von Preisen in einer Marktwirtschaft ergibt.“ Die Dualität gilt auch hier: Ingenieurwissenschaft, Organisation, Planwirtschaft und Kleingruppe vs. wettbewerbliche Marktwirtschaft und offene Gesellschaft.

Frappierend sind einmal mehr fest etablierte Fehlurteile: Die Sächsische Schmalkahlschlagwirtschaft von 1838 – 1934 gilt als Inbegriff kapitalistischer Waldwirtschaft, obwohl eine Koordination durch Preise gar nicht erfolgte.

Bemerkenswert erscheint, was vor 30 Jahren überhaupt nicht gesehen wurde, dass nämlich heute  ein erheblicher Teil der deutschen Holzernte von privaten, hoch technisierten Forstunternehmen durchgeführt wird – mit der angenehmen Begleiterscheinung: hierarchische Kontrollstrukturen sind marktlichen gewichen.

Als Zwischenfazit des hayekianisch inspirierten Forschungsprojekts kann gelten: „Die Befunde stimmen einigermaßen optimistisch, ass auch in der Forstwirtschaft die Anpassung an unvorhergesehene Änderungen mittels Marktwettbewerb gelingt.“

Für mich hat Peter Deegen einen Nerv der Sozialingenieure und Umweltlobbyisten getroffen. Mit einer zentrale Erkenntnis von ihm möchte ich schließen, und zwar folgender: Eine Forstwirtschaft, die immer mehr Nachhaltigkeits-Indikatoren ersinnt und an langfristige Zielwerte bindet, verliert ihre Fähigkeit, nachhaltig zu wirtschaften.

Die Zeit für die Wende ist reif.

 

Quelle: AFZ-DerWald 2/2018