Ehrhard im Halbschatten: Warum der Wohlfahrtsstaat die Wohlfahrt mindert

Der legendäre erste Bundeswirtschaftsminister wusste es genau. Seitdem ist die Erkenntnis entweder vergessen worden oder, schlimmer, bewusst ignoriert worden.

Wohlstand entsteht durch Arbeit. Mehr Wohlstand entsteht durch mehr Arbeit. Es gibt dazu keine Alternative. In seiner Regierungserklärung stellte Ludwig Erhard 1963 fest: “Lassen Sie mich ein offenes Wort sprechen: Wir müssen uns entweder bescheiden oder mehr arbeiten. Die Arbeit ist und bleibt die Grundlage des Wohlstandes.

Wohlstand, Wachstum, Fortschritt – eine bessere Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen – gelingt nur auf zwei Wegen: a) längere Arbeitszeit oder b) höhere Produktivität. Die beiden Wege lassen sich natürlich kombinieren.

Der Wohlfahrtsstaat ist ideologisch und institutionell so gestrickt, dass weder längere Arbeitszeiten noch eine höhere Produktivität angestrebt werden. Die Arbeitszeitverkürzung ist vielmehr das Ziel seiner Adepten, die sich um Produktivität nicht kümmern und sich allenfalls als Maschinenstürmer betätigen, weil die angeblich den Menschen die Arbeit wegnehmen würden.

Das muss nach hintern losgehen – mit Ludwig Erhard im Jahr 1958: “Solche ‘Wohltat’ muß das Volk immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat – und das auch noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie.

Das Prinzip des Wohlfahrtstaates ist die Umverteilung: wegnehmen, verbrauchen, anders verteilen und verbrauchen. Auch eine Qualifizierung nach Markterfordernissen können die Staatsbediensteten nicht leisten, weil sie nicht wissen können, was Unternehmen auf Märkten benötigen.

In seiner Rundfunkansprache brachte Ludwig Erhard 1958 (!) zum Ausdruck, was heute leider Realität ist:

Ich bin erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte. Falls diese Sucht weiter um sich greift, schlittern wir in eine gesellschaftliche Ordnung, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat. Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die anderen sorgen für mich. Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein.

 

P.S. Aus aktuellem Anlass …

Erhard-Karrikaturen-Ausstellung initiiert durch die INSM

Blick auf Berlin – schön grün

Blick auf die Dächer von Berlin

Politik ist nicht die Kunst des Kompromisses, sondern die Fähigkeit, das sachlich Notwendige gegen Widerstände durchzusetzen.