Liechtenstein: Haberler Konferenz legt Staats-, Banken- und Demokratieversagen offen

In Liechtenstein scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Freundliche, offene Menschen leben in einer intakten Umwelt ohne Windkraftwerke. Wohlstand und ein sauberes, wohl geordnetes Fürstentum sind für Besucher augenfällig. Es ist kein Zufall, dass in Vaduz, wo Freiheit und Verantwortung, Marktwirtschaft und Herrschaft des Rechts hoch gehalten werden, nachzulesen in “Der Staat im dritten Jahrtausend, erfolgreich die nunmehr zwölfte Gottfried von Haberler Konferenz veranstaltet wurde. Durch das Tor zur Welt, das hier stets offen steht, strömten Freiheitsfreunde zum Austausch, zur Krisenanalyse und zur Verbreitung der besseren Ideen, die heute mehr Bedeutung denn je besitzen. Die Krisenakkumulation, verursacht durch ein mit hoher Geschwindigkeit in die Sackgasse fahrendes europäisches Führungspersonal nimmt allmählich bedrohliche Ausmaße an. Die Überforderung von Politik und Bürokratie ist nicht mehr zu übersehen. Ein Gravitaionszentrum bilden Zentralbanken, die in den USA und Europa eine  verborgene Agenda verfolgen. Gerade in Europa gilt: Zentralismus und die politische Anhäufung von Befugnissen, Aufgaben, Zuständigkeiten geraten 25 Jahre nach der Implosion des realen Sozialismus in tiefen Widerspruch mit der Realität.

ecaef_header_2Auf der Konferenz kritisierte John B. Taylor die fehlende Strategie der Zentralbanken. Niemand wisse, was los ist und was sein wird, außer, dass es weiter erratisch zugehen werde. Sein Vorschlag: Rückkehr zu einem Regel gebundenen Handeln und einer öffentlichen Erklärung, sobald die Zentralbanken davon abweichen. Aus dem Publikum wurde kritisch eingewandt, dass ein monetärer Sozialismus durch die Regel-Vorgabe legitimiert werde.

Der Grandsenieur der aktuellen und historischen Geldpolitik Peter Bernholz äußerte eingangs, er habe gehofft, diese Lage nicht mehr miterleben zu müssen – in der Währungspolitik werde

“The Second Road to Serfdom” beschritten. Zwar sei die akute Krisenrettungspoltik richtig gewesen. Allerdings habe schon Walter Badghot die richtige und bessere Krisenpolitik beschrieben, darunter Strafzinsen für Notkredite. Die derzeitige Lage sei einmalig: negative Zinsen, hyperinflationsartige Geldmengen, ein Geldschöpfungsmultiplikator, der tiefer als in der Großen Depression liege. Zugleich werde die Bedeutung der Zinsen für die Realwirtschaft völlig vernachlässigt, das Abgehen vom natürlichen Zinssatz sei falsch.

Noch deutlicher wurde Tillmann Lauk, der die Schulden-, Transfer- und Bankenunion als besonders schwere Form des Demokratieversagens erläuterte. Es handele sich um eine regelrechte Betrugsmaschinerie der Banken und Fed als Mitwisser gemäß US Kongress. Die endlosen, schweren Rechtsbrüche in Europa, die Lauk dezidiert aufzeigte, zeigten: Regeln seien in der EU nichts wert. Da alle abendländischen Grundsätze rechtsstaatlicher Demokratie in der EU gebrochen wurden, habe sich eine selbst regulierende Finanzoligarchie bilden können. Eine Rückkehr zum Goldstandard oder eine Hinwendung zu Kryptowährungen seien Auswege, letztere bereits jetzt privat.

Viele weitere Vorträge bereicherten die Diskussion. Und in Hintergrundgesprächen wurde manches geäußert, das nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist. Dabei wurde klar, wie sehr  die Netzwerke der Macht ihre Interessen auf dem Rücken des Allgemeinwohls verfolgen. Die Public Choice Theorie erscheint angesichts dessen zuweilen geradezu harmlos. Dunkle Wolken werden sich nicht einfach verziehen, in Liechtenstein herrschten zum Konferenzende sommerliches Sonnenwetter. Oasen sind der Inbegriff einer besseren Welt.

S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein an der 12. Internationale Gottfried von Haberler Konferenz in Vaduz (Foto: Michael Zanghellini)

S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein an der 12. Internationale Gottfried von Haberler Konferenz in Vaduz (Foto: Michael Zanghellini)

(von links nach rechts: Michael von Prollius, Johan Norberg, Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, Peter Bernholz, Prinz Michael von und zu Liechtenstein, John B. Taylor, Peter Fischer)