Gutes Geld, gesunde Welt

Wettbewerbsgeld war und ist dem Staatsmonopol überlegen. Kritiker von privatem Geld machen sich die Sache zu einfach. Eine Replik auf Ist privates Geld das bessere Geld?

Der Westen kann seine Lektion lernen – Voraussetzung ist, dass wir uns besinnen. Die Lektion wurde hundertfach erteilt, aber sie wurde mindestens genauso häufig ignoriert: Um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muss man ihr Geldwesen verwüsten. Felix Somary, der legendäre Krisenprognostiker, bekannt auch als Rabe von Zürich, hat in seinen „Sozialgesetzen der verkehrten Proportion“ zwei Ursachen benannt: „Je mehr Geld ausgegeben wird, desto geringer ist der gesamte Geldwert“ (17. Gesetz) und „Je mehr die Ökonomie eine Erhöhung des Zinsfußes verlangt, desto mehr senkt ihn die Politik“ (18. Gesetz). Übertragen auf heute lässt sich die griffige Formel prägen: Zentralbanken sind Inflationsbehörden. Tatsächlich stellen die drastische Verminderung des Geldwerts und die fortwährende Absenkung der Zinsen zur Krisenbekämpfung und Konjunkturankurbelung zwei herausragende Merkmale der Zentralbanken dar. Allein 2017 haben die fünf größten Zentralbanken der Welt 2,5 Billionen US-Dollar in die Weltwirtschaft gespült. 10 Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise kurbelt die EZB mit ihrer Null-Zinspolitik immer noch.

Zentralbanken sind nicht mehr zeitgemäß – waren sie es je? Die Monopolorganisationen waren nie das Ergebnis einer offenen Entwicklung zur Verbesserung des Geldsystems. Vielmehr haben organisierte Interessen gleichsam die Evolution manipuliert – angefangen mit der ältesten Zentralbank, der Bank of England, die zum Zwecke der Staatsfinanzierung privilegiert wurde. Das bedeutet nicht einer Verschwörung das Wort zu reden. Gleichwohl gehört Machtpolitik heute zu den unterbelichteten ökonomischen Kategorien. Es bedeutet zudem nicht, dass Zentralbanken keinen Nutzen gestiftet haben, etwa die deutsche Reichsbank, die durch Standardisierung der Währung dem Wunsch nach mehr Einheitlichkeit entsprach – im Zeitalter des Nationalismus. Gleichwohl erscheint die Annahme eines natürlichen Monopols wenig überzeugend, dessen Zementierung per Wettbewerbsverbot sogar als Anmaßung. Die Geschichte bietet lehrreiches Anschauungsmaterial – für eine Kritik an Zentralbanken und für ein Lob von privatem Geld.

Hyperinflationen waren und bleiben stets das Werk von Zentralbanken. Wie Peter Bernholz zeigt, fanden alle 30 untersuchten Hyperinflationen bis auf eine Ausnahme nach 1914 im Jahrhundert der Zentralbanken statt. Die heute viel kritisierte Ungleichheit in der Vermögensverteilung ist nicht ohne Zentralbanken zu erklären (Stichwort Cantillon-Effekt). Monetär bedingte Wirtschaftskrisen sind eine weitere Krankheit, die uns regelmäßig heimsucht. Die Infektion verursachen ebenfalls die Zauberlehrlinge in den unantastbaren Zentralbanken, die wir nun wie den staatlichen Rundfunk nicht mehr loswerden. Der strukturelle Wissensmangel weniger, politisch kaum jemals unabhängiger Experten, die Zentralisierung von Fehlern, die zugleich maximiert werden, eine sklerotische Innovationsarmut, die staatlichen Monopolen innewohnt, sind weitere drastische Defizite.

Ein Geldsystem, dessen Monopolisten eine Strategie der kontinuierlichen unverhältnismäßigen Geldmengenausweitung und damit die permanente Reduzierung der Kaufkraft praktizieren, verbessert weder die ökonomische Leistungsfähigkeit noch die volkswirtschaftliche Stabilität. Ein Unze Gold kostete 1920 nur 20 US-Dollar, während bis heute die Papierwährung auf über 1.300 US-Dollar für eine Unze inflationiert wurde. Die Furcht vor noch schlechteren Marktlösungen erscheint vor diesem Hintergrund fast wie Fake News.

Geld ist zwar ein spezielles Gut, aber auch nur deshalb, weil es sich besonders einfach in jedes andere Gut tauschen lässt. Die Gesetze der Marktwirtschaft würden indes auch für Geld gelten: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Wettbewerb und Haftung sorgen für Qualitätssteigerung. Das Wissen Vieler in einer Marktwirtschaft ist dem Wissen weniger Experten in einer Behörde weit, weit überlegen. Selbstverständlich gilt wie für jedes andere Gut auch, dass Vertrauen in dessen Qualität erforderlich ist, damit es Absatz findet, es sei denn, es gibt keine Alternative oder den Zwang, es anzunehmen.

Der Staat hat bei der Herausgabe von Geld bislang deshalb bessere Karten gehabt, weil er mit seinem Gewaltmonopol in der Lage ist, die Menschen zur Annahme des von ihm zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärten Geldes zu zwingen und somit alle anderen Anbieter auszuschalten. Privates Geld war regelmäßig besser: In Schottland verdrängten private Münzprägeanstalten in der Ära des Free Banking die weitaus schlechteren staatlichen Münzen. Aufgrund des Erfolges mit wunderschönen Kupfer- und Silbermünzen wurde das private Geld Mitte des 19. Jahrhunderts verboten. In Schweden war Free Banking ebenfalls so erfolgreich, dass eine Koalition von Sonderinteressenvertretern und Politikern geschmiedet wurde, die das gute Geld nach über 70 Jahren 1903 per Parlamentsbeschluss verbot. In Kanada wurde eine Zentralbank erst sehr spät errichtet (1935) und allein aufgrund der Hoffnung, die Große Depression überwinden zu können, was misslang. Die Beispiele aus der Free Banking Ära lassen sich beinahe beliebig fortsetzen.

Bis fast zur Mitte des 19. Jahrhunderts war ein freies Geldwesen keine akademische Fingerübung für Sonderlinge, sondern eine intensiv diskutierte Realität, die ausgezeichnet funktionierte. Erst nach der Peel’schen Bankakte von 1844 sind Zentralbanken zum Dogma geworden. Der nächste Schritt in der Ordnung des Goldstandards wäre eine sukzessive Privatisierung gewesen.

Die Schlafwandler stolperten nicht nur in die Urkatastrophe des Ersten Weltkriegs, sondern zerstörten auch den klassischen Goldstandard zur Finanzierung des totalen Krieges. Eine vermeintliche demokratische Kontrolle oder das Steuermonopol haben indes keine Rolle bei der Ausschaltung privaten Geldes gespielt. Im Gegenteil geht der Primat der Politik regelmäßig mit kollektiver Verantwortungslosigkeit einher. Schon die Stabilitätsprobleme von Währungen vor dem Ersten Weltkrieg resultierten aus verfehlter staatlicher Regulierung, darunter besonders prominent der US-Dollar.

Free Banking lässt sich definieren als ein wettbewerbliches Geldwesen, in dem Geld emittierende Banken – analog zu anderen Unternehmen – ihrer Geschäftstätigkeit nachgehen können so lange sie im Einklang mit den allgemeinen Handels- und Unternehmensgesetzen stehen. Folglich ist es für eine Bank möglich in den Markt einzutreten, sobald sie Gewinnmöglichkeiten aufzeigen, ausreichend Kapital sammeln und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Bank und ihr Geld gewinnen kann. Warum soll das nicht erlaubt sein?

Unterschiedliche Währungen werden absehbar unterschiedlichen Zwecken dienen: Tauschmittel – international, national, regional; Speicherung von Kaufkraft über lange Zeit; wertbeständige Reserve für Notzeiten. Währungen werden unterschiedlich konstruiert sein: Voll- und Teilreservesystem können neben rein auf Vertrauen basierten Währungen bestehen. Der Wettbewerb ist ein Entdeckungs- und Lernprozess, ein Selektions- und Innovationsprozess. Es gibt keinen überzeugenden Grund, Geld von einer freien marktwirtschaftlichen Ordnung auszunehmen, in der der Staat das Recht durchsetzt.

Ob die Abschaffung eines staatlichen Geldmonopols aufgrund von Netzwerkeffekten zu einer Konzentration oder sogar einem Monopol führt, ist vollkommen offen. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass es zu regionalen oder nationalen Monopolen kommen würde – eine Weltwährung wie einst der Goldstandard ist heute nicht mehr absehbar. Gleichwohl wäre ein privates Monopol stets einem staatlichen vorzuziehen. Die schlechteste Option ist bekanntlich ein Staatsmonopol, die beste ein Wettbewerbsmarkt. Private Monopole liegen dazwischen und haben einen gewaltigen Vorteil, über Effizienz hinaus: Sie können herausgefordert werden solange der Staat sie nicht zementiert.

Zentralbanken nicht mehr zeitgemäß. Selbst Milton Friedman befürwortete zu seinem Lebensende Geldfreiheit. Diskretionären Zentralbanken traute er zeitlebens nicht und wollte sie daher an eine Regel binden. Schließlich trat er für die Abschaffung des Fed ein. Die Inflationsbehörden sind heute nicht einmal mehr regelgebunden. Das strenge geldpolitische Mandat ist reines Wunschdenken und war auf bessere Zeiten beschränkt, z.B. als die Bundesbank noch unabhängig gegen den Machtwillen von Regierungen agierte. Felix Somary bietet uns eine Lektion: „Gegenüber dem Ausmaß der Enteignung durch Geldmanipulation verblassen die Geldfälschungen des Mittelalters und Altertums.“ und er fährt mit Blick auf den Staat fort: „Es ist paradox, dass es dem Schuldner überlassen wird, die Geldzeichen zu schaffen, die ihn entschulden“.

Michael von Prollius