Grüner Hype – warum?

Die Ursachen und inneren Widersprüche des grünen Zeitgeistes bilden den thematischen Schwerpunkt der Mai-Ausgabe des Rotary Magazins. Die fünf Beiträge beleuchten interessante und bekannte Aspekte der für Liberale gleichermaßen bizarr wie gefährlich anmutenden neokollektivistischen Strömung. Was nehme ich aus den Beiträgen mit, um es weiter zu geben?

a. Die kleinste Oppositionspartei im Deutschen Bundestag erhält die größte mediale Aufmerksamkeit und konnte wesentliche parteipolitische Kernthemen weitgehend widerspruchslos verankern.

b. Wohlstand und Haltlosigkeit befördern einen „Bionade-Biedermeier“ (Henning Sußebach), dessen Anhänger für ihre Moral praktisch keine realen Konsequenzen tragen müssen, vom Strompreis abgesehen.

c. Kaum jemals war die Kluft zwischen städtischen Ökologisten ohne Naturkenntnisse – nicht einmal die vier Hauptgetreidearten dürften sie auf Feldern erkennen und unterscheiden können – und deren Sorge um die Natur größer. Ausgestattet mit „Hunter“ und „Aigle“ Gummistiefeln propagieren die naturfernen Städter fleischlose Ernährung.

d. Moral ersetzt bei den grünen Hypisten regelmäßig Argumentation und Meinungsvielfalt, Stereotype reduzieren Komplexität, politische Religiosität und moralische Selbstdarstellung sind Teil eines Lifestyles, dessen Wirkung – besser Schein oder Wellnessgefühl – über alles geht.

e. Widersprüche sind ein Wesensmerkmal des grünen Hypes: Plastikhelme sind Pflicht, SUVs von Wohlstandsmüttern stauen sich in den Parkraumbewirtschaftungszonen. Der Tag beginnt mit Umweltverschmutzung durch lärm und feinstaubintensive Laubbläser, Müllabfuhren und Kehrfahrzeuge. Motorisierte Amazon-, Hermes- UPS- und DPD-Kolonnen liefern Pakete und holen abertausende Retouren ab. Taxis transportieren die grünen Wochenendpendler und Wochenendurlauber zum Flughafen – eine „vertrackte Dialektik zwischen Weltrettung und Weltreise“ (Reinhard Mohr).

f. Ökologismus ist wesentlich Symbolpolitik, abrufbereite Empörungsbereitschaft, Teilzeit-Humanismus, Doppelmoral und gesellschaftspolitische Monokultur im Namen von Inklusion, Nachhaltigkeit und Diversität. Die grüne Lehre ist vor allem ein Lifestyle, ein gutes Lebensgefühl für alle, die auf der richtigen Seite stehen wollen, die ein schlechtes Gewissen mit einer demonstrativen Haltung bekämpfen.

g. Als politische Religion wird auch die Geschichte der Grünen zu einer Erzählung voller biblischer Motive mit dem Sündenfall der Atomenergie, den Propheten von Petra Kelly bis Greta Thunberg, die Rettung des Volkes aus der naturzerstörerischen Profitwirtschaft ins Ökoparadies, in das gelobte Land des Ökosozialismus per „New Green Deal“.

h. Wohlstandsüberdruss: Wer echte Probleme hat oder sich mit drängenden politischen Fragen beschäftigt, der interessiert sich kaum für Ökologismus, etwa die Briten; wer bei klarem Verstand ist, der macht sich nichts aus dem grünen Hype, etwa die Schweizer, Österreicher – allerdings mit Auf und Ab, vor allem aber die Landbevölkerung, zumal Ökologisten kaum dort leben und predigen, wo es stinkt und körperliche Arbeit in der Natur gefragt ist.

i. Der mediale Hype wird durch ergrünte Journalisten befeuert, eine gesellschaftliche Gruppe, die sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend von den politischen Präferenzen der Bürger entfremdet hat. 1976 war die absolute Mehrheit der Journalisten SPD-Anhänger bei 43 Prozent SPD-Wählern, während bereits 2005 die relative Mehrheit grüner Journalisten nur 8 Prozent Wählern gegenüber stand. Haltungsjournalismus, Kampagnenjournalismus, Trend zur Umwelthysterie (nach einer Technikeuphorie in den 60er Jahren) und Gruppendenken, der in wenigen Städten konzentrierten Journalisten kennzeichnen den Wandel eines Berufsverständnisses hin zum gesellschaftspolitischen Akteur.

j. Der „Mechanismus der Angstproduktion“ (Sonja Margolina) folgt malthusianischen Modellrechnungen und ist doch wesentlich eine westliche Marotte, gegen die wissenschaftliche Argumente wenig nützen. Es geht nämlich nicht wirklich um das Klima, sondern um den Kapitalismus, sonst müßte (auch) Methan bekämpft werden, das allerdings ein nicht-kapitalistisches Gas ist. Zudem wäre klar, dass die EU mit ihren 7 Prozent und die BRD mit ihren 2 Prozent CO2 Ausstoß für das Weltklima irrelevant sind. China stößt so viel CO2 in einer Woche aus wie Deutschland in einem Jahr. Die „große Transformation“ ist das Ziel, Klimawandel ein „hochideologischer, subversiver Begriff, der eine Utopie der ‚Klimarettung‘“ zum Primat von Politik und Moral erhoben hat. Ein Milliardengeschäft. Eine monströse Umverteilungsmaschinerie von unten nach oben.

Was bleibt? Der grüne Hype, der Ökologismus ist ein befremdliches Phänomen, weil ein angenehmer Lifestyle im Vordergrund zum Mitmachen einlädt und die menschenverachtende Ideologie im Hintergrund verdeckt. Parteipolitische Süppchen werden gekocht, machtpolitische Kalkulationen angestellt, der Drang zu den Tofu-Fleischtöpfen ist unverkennbar, wenn es zeitlos um Geld und Macht geht. Allerdings hebt sich die Öko-Wellness in ihrer Erscheinung äußerlich von den brachialen Ideologien ab, die alle Wege zur Knechtschaft verbindet, Faschismus und Bolschewismus eingeschlossen. Irgendwie wollten und wollen alle nur das Gute, das eine Richtige – die Feinde einer freien, offenen Gesellschaft.