Widerstand – eine Gedenkstätte zum Nachdenken

Wer die Welt verstehen möchte, sollte sich an die Schauplätze des Geschehens begeben. Die Gedenkstätte deutscher Widerstand ist ein Ort der Erinnerung und befindet sich am historischen Ort des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 im ehemaligen Oberkommando des Heeres. Nach dem Scheitern wurde Claus Schenk Graf von Stauffenberg zusammen mit seinen Mitverschworenen widerrechtlich noch in derselben Nacht erschossen.

Der Widerstand war bekanntlich weitaus breiter als das spektakuläre Attentat. Die moderne Dauerausstellung lädt zum Verweilen ein. Sie zeigt den Kampf gegen die NS-Diktatur in ihrer ganzen sozialen Breite und weltanschaulichen Vielfalt. Im Mittelpunkt stehen die Lebensschicksale der mutigen Menschen, die widerstanden, die mit ihrem Handeln zeigten, dass es auch in einer Diktatur Möglichkeiten zu alternativem politischen Handeln gab. Allerdings nahmen sie hohe persönliche Risiken auf sich. Viele wurden ermordet.

Die Bandbreite reicht vom Arbeiterwiderstand über das Bürgertum bis zum Militär, von dem praktisch kein aktiver General am 20. Juli mitwirkte. Auch die Swing Jugend und die Rote Kapelle, die gerade kein kommunistischer, sondern ein zutiefst bürgerlicher Widerstand war, gehörten dazu, und Einzeltäter wie Georg Elser, der Hitler 1939 nur um 13 Minuten verfehlte – Devil’s Luck!

Es lohnt sich eine Führung mitzumachen. Wer das Glück hat von Professor Tuchel, dem Geschäftsführer der Stiftung, Einblicke zu erhalten, erfährt neben Inhaltlichem viel über Didaktik und manches Humorvolle. Bemerkenswert ist, dass Forschung zum Nationalsozialisten kaum noch finanziell gefördert wird und man ein Bachelor Studium in Geschichte wahrscheinlich ohne Nationalsozialismus absolviert. Wie die Rote Kapelle von der DDR und der BRD spiegelbildlich instrumentalisiert wurde und unter maßgeblicher Mitwirkung des Magazins Der Spiegel ein faktenwidriges Geschichtsbild entstand, ist eine spannende Rezeptionsgeschichte, die zur aktuellen Thematik der Lügen- und Lückenpresse passt. Das Morden der Nationalsozialisten machte vor jungen Müttern nicht halt, darunter eine nur 19jährige, die Klebezettel mit Protestsprüchen angebracht hatte. Sechs Wochen nach ihrer Entbindung wurde sie hingerichtet, kurz nach ihrem Mann. Die vielfältigen Initiativen des Widerstands gingen von einem nur winzigen Teil der Bevölkerung aus, vielleicht 1 Prozent. Gemeinsam war ihnen der Versuch, eine Gegenöffentlichkeit zu erzeugen.

Wie viel einfacher und bequemer ist es heute in einer Demokratie, zumal mit modernen Medien, andere Perspektiven aufzuzeigen.

Michael von Prollius