Währungsdilettantismus, ein Update

(mvp) Es steht nicht gut um das Finanzsystem, weltweit. Die Probleme sind bekannt und wurden häufig benannt. Kurz gefasst, trotz schier endloser Mängelliste, haben die vermeintlich unabhängigen Technokraten der Zentralbanken mit ihrem Geldmonopol die Welt erst in die Krise geführt und finden nun keinen Weg mehr aus der Sackgasse, den sie nach der Krisenbekämpfung eingeschlagen haben. Wir erleben die Folgen des „Geldsozialismus“ (Roland Baader): monetäre Privilegien für die Reichen und die Nomenklatura, Begünstigung von Schuldnern, Entmutigung von Sparern, unsoziale Politik, ferner Blasenökonomie, unzureichende Produktivität, ausbleibende Strukturreformen, schließlich systemische Instabilität. Selbst die Bundesbank warnte inzwischen mehrfach vor Blasen im Immobiliensektor. Zudem verzichten Banken seit 2013 zunehmend auf Klauseln (covenants), die Kreditkündigungen ermöglichen oder das Einfordern neuer Sicherheiten ermöglichen – ein Phänomen, das vor der Finanzkrise zu beobachten war

Inzwischen nehmen die Folgen des monetären Missmanagements wieder dramatischere Ausmaße an. Kevin Dowd, einer der finanzwissenschaftlichen Granden aus England, hat kürzlich die Frage gestellt: „Is Deutsche Bank kaputt?“ und anschließend beantwortet. Vereinfacht gesagt ist die Deutsche Bank durch Missmanagement im Rahmen des pervertierten Finanzsystems insolvent. Die nicht mit Eigenkapital unterlegten Derivatepositionen könnten die Bank in den Abgrund ziehen.

Ein weiterer, sehr erfahrener und abwägender Finanzexperte, Gerald P. O`Discroll, urteilt, die Fed könne derzeit und letztlich auch in absehbarer Zeit nicht mehr aus der Zwickmühle herauskommen, in die sie sich selbst begeben hat. Es sei der Fed nicht möglich, die Zinsen anzuheben. Ggeen den weltweiten Trend von Negativzinsen könne sie sich nicht stemmen, weil das zu einer Aufwertung des US-Dollars führen würde mit entsprechenden Konsequenzen für die Exportwirtschaft und noch schwächerem Wachstum. Ausschlaggebend sei indes, so der wissenschaftlich angesehene, praktisch im Finanzsektor erfahrene und publizistisch versierte Ökonom, dass die Fed nicht genug Vermögenswerte besitze, um die kurzfristigen Zinsen zu erhöhen. Die Banken könnten überdies ihre Überschussreserven inzwischen komplett als Kredite vergeben, ohne sich unter einander Geld leihen zu müssen. Zinsänderungen würden folglich keine Auswirkungen auf die Inflation haben.

Im Europäischen Raum besteht die Euro-Misere fort – sie ist unlösbar. Es ist bezeichnend, wenn nunmehr selbst Joseph Stiglitz ein Ende des Euro in der jetzigen Form fordert. Die Briten haben nicht nur mit dem Brexit, sondern auch mit dem eingeschlagenen wirtschaftspolitischen Kurs einen Weg beschritten, um den wir sie noch in wenigen Jahren womöglich beneiden. Bereits 1972 schrieb Hans Willgerodt: „Die Vorstellung, man könne auf dem Umwege über die Währungsintegration zur Wirtschaftsintegration gelangen und damit die politische Integration fördern, erweist sich als dilettantischer Irrtum.“