Vor 50 Jahren wurde es Frühling

In Prag – heute. Der Reformpolitiker Alexander Dubcek löste den Stalinisten Antonin Novotny als Erster Sekretär der Kommunistischen Partei ab. Dubcek leitete 1968 Reformen ein, die auf eine Trennung von Staat und Partei zielten sowie Wirtschaft und Gesellschaft öffnen sollten. Eine zunehmend kritische Öffentlichkeit unterstützte ihn und sein Programm des „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ Am 20. und 21. August 1968 beendete eine Interventionsmacht der Streitkräfte des Warschauer Paktes in Stärke von 500.000 Mann das freiheitliche Experiment gewaltsam.

Der Frühlingsbegriff stammt von westlichen Medien, die damit an die Tauwetter-Periode Chruschtschows nach dem Tod Stalins 1953 anschlossen.

Die Reformen waren aufgrund des dramatischen Scheiterns notwendig geworden, die das bürokratisch-zentralistische Planungssystem seit Anfang der 1960er Jahre verursacht hatte.

Der Ökonom Ota Sik schlug Reformen für eine sozialistische Marktwirtschaft vor – mit privaten Kleinunternehmen, autonomen Gewerkschaften und Joint Ventures mit westlichen Unternehmen.

Die Bevölkerung sprach sich in einer Umfrage im Juli 1968 weit überwiegend (fast 90%) für einen reformierten, demokratischen Sozialismus aus.

Nach der Aufhebung der Pressezensur im Februar 1968 blühte die Informationsvielfalt über Nacht auf.

Die Staatschefs Walter Ulbricht und Todor Schiwkow sowie führende russische Militärs entschieden, die Reformbewegung niederzuschlagen. Über 150.000 Menschen, vor allem Facharbeiter und Intellektuelle, verließen anschließend das Land.

An den Entwicklungen nahmen Menschen und Medien in Deutschland großen Anteil.

Der Prager Frühling bildet zusammen mit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und dem Fall der Mauer 1989 eine Triologie von Freiheitsrevolten gegen Menschen verachtende Regime.