Ungleichheit – wie viel und wie schlimm?

Ungleichheit gilt heute als ein zentrales Problem, das die Politik lösen müsse. In der Regel wird behauptet, die Ungleichheit habe drastisch zugenommen und der Staat müsse sie bekämpfen.

Wohltuend von solcher Rattenfängerei kann sich eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema abheben. Das gilt für Vincent Geloso und Steven Horwitz, die sich systematisch mit Ungleichheit auseinandergesetzt haben. Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Die Zunahme der Ungleichheit wird erheblich überschätzt, sie nimmt in westlichen Gesellschaften leicht zu und ist ein essentieller Bestandteil zunehmenden Wohlstands, weil unterschiedliche Präferenzen nicht über Einkommen erfasst werden.
  2. Ungleichheit ist schwer zu messen, die bislang vorliegenden Ergebnisse sind fehlerhaft und umstritten, was die Bewertung von Ungleichheit erschwert.
  3. Ungleichheit lässt sich in drei Kategorien unterteilen: gute, neutrale und schlechte Ungleichheit.
  4. Gute Ungleichheit ist das Resultat individueller Bemühungen und Präferenzen, die weder negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben noch auf ein Verteilungsergebnis abzielen.
  5. Neutrale Ungleichheit ist das Resultat von Demographie, Familiengröße und Heiratsmustern. Damit sind weder moralische Folgen verbunden noch lässt sich ein Handlungsgebot ableiten.
  6. Negative Ungleichheit beschränkt die Handlungsmöglichkeiten von Individuen, ohne dass diese daran etwas ändern können. Die Hauptquelle dieser Ungleichheit liegt in schlechter Politik.
  7. Die beste, billigste und moralischste Maßnahme gegen Ungleichheit ist es, schlechte, Ungleichheit schürende Politik zu unterlassen.

Damit ist fast alles gesagt. Allerdings lohnt es sich, einige illustrierende Aussagen und Beispiele anzufügen. Wenn ein Wohlhebender Mensch einen Kühlschrank für 10.000 Dollar kaufe und ein Armer einen Kühlschrank für 500 Dollar, dann sei das Wertverhältnis 20 zu 1, aber sicherlich nicht das Nutzenverhältnis. In Wohlhabenden Gesellschaften lasse sich immer weniger Ungleichheit mit monetärem Wohlstand beziffern, da die Präferenzen stark unterschiedlich seien und sich immer stärker auseinander entwickelten. Während der Eine mehr Geld verdienen möchte, wolle der Andere lieber mehr Freizeit haben. Ausbildung und Erfahrung ließen sich in westlichen Gesellschaften nur bedingt als Erklärung für Ungleichheit anführen, da gleiche Ausbildung und gleiche Erfahrung sehr unterschiedliche Einkommen generierten. Das liege an individuellen Präferenzen und Fähigkeiten, die sich schwer indentifizieren ließen. Einwanderung erhöhe die Ungleichheit, regional, reduziere die Ungleichheit global und stellt die Einwanderer besser. Regionale Preisunterschiede verzerrten die Messung von Ungleichheit dramatisch – bis zu 80 Prozentpunkte Unterschied ließen sich so erklären. Die Ungleichheit in den USA sinke erheblich, sobald das Silicon Valley und New York aus der Statistik genommen werde.

Zu den wichtigsten Ungleichheit schürenden Politiken gehören für Geloso und Horwitz: Agrarprotektionismus, der die Einkommen der Armen am Stärksten treffe und Landwirten höhere Einnahmen beschere; der Drogenkrieg, der nach Gefängnisstrafen nur noch einen weitaus schlechteren Lebenspfad ermögliche; Wettbewerb mindernde und Preise verzerrende Politik, darunter auch Mindestlöhne wie grundsätzlich Arbeitsmarktregulierung, aber auch Subventionen – gerade für die Mittelschicht, sowie sogenannte Sündensteuern; die Umverteilung durch Bankenrettungen und Geldpolitik.

Es gebe keinen Zusammenhang zwischen gemessener Ungleichheit, die zunimmt, und Glücksempfinden, das ebenfalls zunimmt – zumal die Ungleichheit von Glücksempfinden abnehme.

Fazit: Der einfachste und preiswerteste Weg zur Reduktion der schlechten Ungleichheit ist ein Ende der schlechten Politik. Sobald dieses Ziel erreicht ist, lohnt sich eine neue Bestandsaufnahme. Also nie, ließe sich lakonisch hinzufügen.a