Unartige Beobachtungen zum deutschen Alltag

Harald Martenstein: Die neuen Leiden des alten M. Unartige Beobachtungen zum deutschen Alltag, C. Bertelsmann Verlag, 3. Aufl. München 2014, 204 S., 16,99.

Wer den ewiggleichen politisch korrekten Äußerungen entkommen möchte, dem seien die unartigen Beobachtungen von Harald Martenstein empfohlen. Ein Fülle pointierter kurzer Texte, die zwischen 2012 und 2014 in der ZEIT und dem TAGESSPIEGEL erschienen sind, ist in dem handlichen Buch versammelt. Von der Sargpflicht über Toiletten in Kreuzberg, Schönheitswettbewerbe, Jungs, Väter, Mütter, Männer, Mitleid und Täter bis zu Negerfreunde, Machos und Glück reichen die Themen.

Marteinsteins Kolumnen drehen sich um gesellschaftspolitische Aufreger. Dabei werden Genderisten, Feministen, Ökologisten, Vegetaristen, Gleichheitsfantasten, Gesundheitsfanatiker und Paternalisten – politisch korrekt: Maternalisten – zunächst entlarvt und dann erledigt. Der aus Mainz stammende Journalist versteht es im plaudernden Ton, klug die Standpunkte der zuvor genannten Mitglieder des politischen Panoptikums als offensichtliche Fälle geistigen Irrseins zu entlarven, regelmäßig ohne direkt darauf hinzuweisen. Kostprobe gefällig?

„In der Debatte über den Veggie-Day hat es auch unfaire Argumente gegeben. Eine Studentengruppe hat Plakate geklebt auf denen Jesus, Willy Brandt, Nelson Mandela und Adolf Hitler zu sehen sind, der Text dazu lautet: ‚Finde den Vegetarier!’ Tatsache ist, dass Adolf Hitler hauptsächlich wegen seiner Blähungen weitgehend auf Fleisch verzichtet hat. Er war kein echter, überzeugter Vegetarier wie die Grünen, sondern lediglich ein Vegetarier aus politischen Karrieregründen. Fleisch verursachte bei ihm solche Blähungen, dass, wegen der extremen Geruchsbelästigung in seiner Umgebung, an eine politische Karriere dieses Mannes nicht zu denken gewesen wäre. Mann könnte also sagen, dass in diesem speziellen Fall das Vegetariertum tatsächlich einen sehr großen politischen Schaden angerichtet hat. Wenn Hitler regelmäßig Schnitzel gegessen und bei jeder Rede gestunken hätte wie ein alter Ziegenbock, dann wäre uns der Zweite Weltkrieg vermutlich erspart geblieben. Dies zum Beispiel war jetzt ein unfaires Argument gegen den Veggie-Day.“

Ein Buch, dessen Lektüre für Heiterkeit sorgt und entspannt.