Tag der Freiheit

17 mal 17 Zeilen für die Freiheit

17. Juni: Auf den Volksaufstand in der DDR 1953 reagierte die Sowjetunion mit der Verhängung des Kriegsrechts. Aber auch: in Frankreich erklärte sich am 17. Juni 1789 der dritte Stand zur Nationalversammlung und beschloss zwei Monate später die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. In den USA kam am 17. Juni 1885 die Freiheitsstatue im Hafen von New York an. In Island ist der 17. Juni Nationalfeiertag, weil sich 1944 die Isländer von der Herrschaft Dänemarks befreiten.

Im wiedervereinigten Deutschland ist 2017 – 64 Jahre nach der Niederschlagung des Volksaufstands, 56 Jahre nach dem Bau und 28 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer – das politisch beherrschende Thema nicht das Eingeschlossensein durch eine Diktatur, nicht der Wunsch nach Freiheit und Ausbruch aus und Abbruch von Mauern, sondern das einer Grenzsicherung angesichts des Ansturms einer so ungeheuren Menge von Menschen, dass es fraglich ist, wie sie in Deutschland ihren Platz finden können und ob sie das überhaupt wollen. Wo sind die Grenzen der Hilfsbereitschaft, wenn diese überstrapaziert zu werden droht und mitunter auch schamlos ausgenutzt wird?

Diese Frage ist so vordringlich, dass die Erinnerung an die Zeiten, in der sehr viele Deutsche sich in der Situation der Flüchtlinge und Migranten befunden haben, die uns jetzt so ängstigen: In der Zeit der DDR-Diktatur und in der Zeit davor, der ideologisch anders ausgerichteten, aber strukturell sehr ähnlichen Diktatur des Nationalsozialismus.

Die Autoren, die Michael von Prollius angesprochen hat, um einen Beitrag für die diesjährige Aktion »17 Zeilen für die Freiheit« – es ist mittlerweile die dritte ihrer Art – zu verfassen, gingen die ihnen von uns gestellte Aufgabe inhaltlich und formal auf ganz individuelle Weise an: In der äußersten Verdichtung der Gedanken auf 17 Zeilen (oder wenigstens 17 Gedanken, die mitunter auch den Rahmen der Zeilen sprengten) sind pointierte Statements entstanden, die ein Schlaglicht auf das Panorama der liberalen Gedankenwelt werfen.

Diese Unterschiedlichkeit ist dabei selbst Programm: Das Herz liberalen Denkens ist die Kultur der Debatte und das Recht darauf, anderer Meinung zu sein. Wir hoffen, mit diesem kleinen Büchlein einen Beitrag leisten zu können, die liberale Kultur zu erhalten und zu fördern. Liberalismus – unsere Ansichten gehen (in Abwandlung eines Gedichts von Ernst Jandl) – als Freunde auseinander.

Die 17 Gedanken zu Freiheit und Grenzen erscheinen täglich vom 1. bis 17. Juni auf der Internetseite www.tag-der-freiheit.de. Das Projekt wurde unterstützt von der Friedrich August von Hayek Gesellschaft, deren Hayek-Tage am 17. 6. 2017 in Bonn stattfinden, von Forum Freie Gesellschaft und vom Murray N. Rothbard Institut für Ideologiekritik.

Berlin im Juni 2017

Stefan Blankertz und Michael von Prollius