Helmut Krebs: Sklerose. Leitbilder und Ideologien einer alternden Gesellschaft

212 Seiten, 7,99 Euro, ISBN 978-3-7392-0375-1, Verlag: Books on Demand, bestellen bei Amazon.

Mit wachsendem Wohlstand vollziehen sich in den westlichen Gesellschaften sozioökonomische Veränderungen, die mit einem geistigen Wandel einhergehen. Wir können in wortwörtlicher und in metaphorischer Weise von einer alternden Gesellschaft sprechen. Nicht nur das Durchschnittsalter der Bevölkerung und der Anteil der Alten, die aus dem Erwerbsleben ausgestiegen sind, nehmen zu. Auch die Wertvorstellungen und Bedürfnisse altern mit. Typisches Merkmal ist ein wachsendes Sicherheitsinteresse, ist das Bedürfnis der Erhaltung des Erreichten. Auf der Grundlage dieser Tendenz wirken konservative Ideologien, die die wirtschaftliche Dynamik lähmen. Ein Konservatismus der Besitzstandswahrer verbreitet sich. Er lähmt unternehmerischen Elan, verursacht wachsende Wohlstandskosten, grenzt durch Regulierungen Freiheitsgrade ein und re-ideologisiert den Staat. Die Folge ist ein Nachlassen der Entwicklungsdynamik. Die Gesellschaft beginnt zu erstarren. Sklerose.

Helmut Krebs, bekannt als Autor von „Klassischer Liberalismus“, untersucht die philosophischen Wurzeln der herrschenden konservativen Ideologien, deren Vertreter sich als progressiv selbstmissverstehen. Die Analyse ergibt zwei Klassen von Denksystemen, die besonders wirkungsmächtig sind: ein extremer Egalitarismus, der die materiellen Lebensverhältnisse nivellieren möchte, und ein politischer Elitarismus. Letzterer war Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorherrschend, geriet mit dem Niedergang der sozialistischen Gesellschaftsexperimente in Verruf und schleicht sich im Gewandte des Ökologismus erneut in die öffentliche Meinung. Das Essay legt aber nicht nur die Wurzeln der ideologischen Strömungen frei, es setzt sich auch mit den Kernideen kritisch auseinander, zeigt die grundlegenden Irrtümer auf und weist auf die innere Widersprüchlichkeit der konservativen Tendenzen hin.

„Sklerose“ ist ein Buch über den Zeitgeist, das nicht an der Oberfläche der Phänomene stehen bleibt. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, herauszuarbeiten, was den gesellschaftlichen Wandel im Innersten befördert. Es zeigt die Ambivalenz einer überwiegend auf Absicherung des Erreichten ausgerichteten Zielstellung. Es stellt heraus, dass Konservatismus tendenziell die Grundlagen des Wohlstandes schwächt und letztlich das Gegenteil seiner Zielstellung bewirkt, nämlich ein Nachlassen des Wohlstands, der einhergeht mit fatalen Freiheitsverlusten.