Roland Baader: totgedacht – ein Vermächtnis

Roland Baader: totgedacht. Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Gräfelfing 2002, 280 S., 22,80 Euro.

„totgedacht“ ist mein persönliches Lieblingsbuch von Roland Baader. Es ist ein Schlüssel zum Verständnis unserer Welt aus ideengeschichtlicher Perspektive und weist so zugleich einen Ausweg zum Besseren. Somit ist es ein sehr österreichisches, ein sehr hayekianisches Buch.

Unsere (geistigen) Eliten sind immer wieder von kollektivistischen Ideologien fasziniert, die regelmäßig das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich beabsichtigt war, zumindest aber die Mitmenschen sich erhoffen. Kollektivistische Ideologien zerstören Gesellschaft, Wohlstand, Freiheit und Moral. Geradezu selbstverständlich werden wir aber von Kindesbeinen an mit diesen Irrlehren aufgezogen. Freiheitliche Alternativen werden als radikal, randständig oder utopisch abgetan. Die Untaten unserer herrschenden Politiker, Bürokraten und Intellektuellen gelten als leider unumgängliche Kompromisse, weil Politik die Kunst des Möglichen sein soll, als notwendig im Sinne einer höheren Sache. Nur jemand, der „von nichts und niemandem abhängig ist“, spricht aus, dass Politik tötet, dass Politik in der überkommenen Form nicht die Lösung, sondern das eigentliche Problem ist.

Warum hängen viele (deutsche) Intellektuelle in Politik, Kultur und Wirtschaft, besonders in den Medien, falschen Ideen an? Unkenntnis und Anmaßung von Wissen, Überhöhung kollektiver Größen und Angst vor der freien individuellen Entwicklung, ferner Machtstreben und persönliche Privilegien, statt sich Markt und Wettbewerb zu stellen, gehören zu den Ursachen. Zudem gibt es strukturelle Wahrnehmungsprobleme: „Spencer’s Law besagt: Das Ausmaß der öffentlichen Aufmerksamkeit und Besorgnis hinsichtlich eines gesellschaftlichen Problems verhält sich invers zu seiner tatsächlichen oder aktuellen Dringlichkeit.“ und „Probleme im Kapitalismus … (werden) automatisch dem Kapitalismus zugeschrieben“. Roland Baader zeigt auch Alternativen auf: „Der Staat darf nur ein einziges (wertenormatives) Gemeinschaftsziel verfolgen – und das ist die Freiheit, die persönliche Freiheit eines jeden einzelnen Bürgers und damit aller Bürger seines Hoheitsgebietes“.

Wie gehen die kollektivistischen Intellktuellen methodisch vor? Umwertung von Begriffen wie Eigentum und Wettbewerb, Kampagnen wie „Kampf gegen rechts“ und Political correctness sind Waffen, deren zerstörerische Kraft der populäre und sprachgewaltige Privatgelehrte Roland Baader gestützt auf die Erkenntnisse liberaler Klassiker aufdeckt.

Im Zentrum von „totgedacht“ steht das Phänomen des Missbrauchs der Vernunft. „Der auf seine Vernunft so stolze und den Verstand seiner Spezies prinzipiell überschätzende Mensch empfindet es als beschämend und als unhaltbaren Mythos, daß ausgerechnet das, was mit Bildung und Geist am meisten zu tun hat, nämlich Kultur, von Kräften und Mechanismen abhängen soll, die der Vernunft und der verstandesgemäßen Einsicht kaum zugänglich und schon gar nicht deren bewußte Schöpfung sind. Also entwickelt gerade der Verstandeswerker eine instinktive Feinschaft gegen spontan entstehende und sich nach ungeplanten Gesetzmäßigkeiten fortentwickelnde Ordnungen. Und das Parademuster einer solchen Großordnung ist die Marktwirtschaft.“ und er fährt fort: „Im Gegensatz zum Sozialismus ist der Kapitalismus keine Kopfgeburt. Und deshalb hassen ihn die Intellektuellen.

Nach der Lektüre werden Sie unsere Welt mit anderen Augen betrachten und in Erinnerung behalten, dass die Beste aller Welten nicht durch Vernunft entsteht, sondern als spontane Ordnung eines „Trial and error“-Prozesses. Und Sie werden Roland Baader in guter Erinnerung behalten.