Ludwig Erhard und Gerhard Schröder featuring Philipp Bagus

Für Liberale war Philipp Bagus der Gewinner des Abends. Der in Madrid lehrende Ökonom und namhafte Austrian bekam, zusammen mit anderen Ausgezeichneten, den Förderpreis der Ludwig Erhard Stiftung überreicht. Die Jury würdigte seine sprachlich und ökonomisch klare Analyse der Griechenland-Krise. Ein Vortrag von Philipp Bagus wäre die Krönung gewesen.

Gerhard Schröder überragte mit einer fulminanten, fundierten Rede alle Geehrten und Gastgeber. Das brachte den Stiftungsvorsitzenden Roland Tichy in Verlegenheit, der erst einmal keine Preise mehr an „Sozis“ verleihen wollte.

Der Altbundeskanzler wurde für seine mutigen Reformen der „Agenda 2010“ ausgezeichnet. Seine Hartnäckigkeit, sein politische Klarheit und sein Eintreten für strukturelle Reformen wurden bewusst als Gegensatz zur heutigen Beliebigkeit der Regierung herausgestellt – man möchte hinzufügen als Gegensatz zum inhaltlich beliebigen, mitunter fahrlässigen Politikstil, der nicht zuletzt den Machterhalt der Apparatschicks zum Ziel hat. Für wache Zuhörer wurde deutlich, was politisch möglich war. Die von konsequenten Liberalen erhofften Reformen sind leider realitätsfremd. Die Agenda 2010 wird so zur größten marktwirtschaftlichen Strukturreform der letzten Jahrzehnte.

Schröder verkörperte unübersehbar den Elder Statesman. Sonore Stimme, wirkungsvolles Timbre und klaren Aussagen zu allen derzeit relevanten politischen Themen, die die Deutschen bewegen. Dazu ein Schuss trockener Humor. Welch Gegensatz zu den verschwurbelten Sprechblasen aus dem Sortiment der Rautenphraseologie. Der amtierende Finanzminister hatte noch einen überaus launigen Einstieg in seine Festrede gefunden, dann aber keine Laudatio gehalten, sondern eine verdruckste Rechtfertigung unter dem Rubrum einer vermeintlich alternativlosen Kunst der politisch Möglichen.

Mit einer Reihe von Positionen des Altbundeskanzlers können Liberale nicht einverstanden sein. Das gilt insbesondere für die von ihm als notwendig erachtete Zentralisierung der Fiskal- und Wirtschaftspolitik in der EU. Allerdings wirkte seine Fähigkeit, die etablierten politischen Lager zu integrieren, mit angemessenen Worten und Einsichten Spaltungen zu überwinden, wie eine unbeabsichtigte Bewerbung für das Amt des Bundespräsidenten. Die Flüchtlingspolitik wertete Gerhard Schröder als Politik mit viel Herz, aber ohne Plan, was politisch gar nicht gehe. Weitere Strukturreformen seien erforderlich, gerade angesichts der ökonomisch aktuell günstigen Bilanz. Die Konfrontation mit Russland gelte es zu überwinden.

Schröder würde sich als Bundespräsident von der charakterlosen Politik und dem zu Schlümpfen geschrumpften politischen Personal abheben; den Menschen in Deutschland würden weitere starke Reden gut tun, die Regierung unter Handlungsdruck geraten können. Indes haben sich Erwartungen an Bundespräsidenten zuletzt nicht erfüllt.

Michael von Prollius