Libertärer Humor schlägt Supermacht

Wer den Highway Nr. 1 nach Süden fährt, sieht Freiheit, spürt Freiheit, besonders ab Key Largo. Dem Autofahrer bietet sich im Süden Floridas ein Idealbild: keine Grenze bis zum Horizont. Sommer, Sonne, Stürme. Vielleicht hat die Umwelt die Menschen geprägt oder in ihrer Unabhängigkeit bestärkt. Das wäre zumindest eine schöne Geschichte. Eine großartige Geschichte ist die der Conch Republic.

Es geschah am 23. April 1982. Genauer gesagt, geschahen drei Dinge: 1. Key West und einige benachbarte Inseln erklärten ihre Unabhängigkeit von den USA und riefen die Conch Republic aus, benannt nach der Riesenflügelschnecke. 2. Die Conch Republic erklärte den USA den Krieg. 3. Die Conch Republic kapitulierte 1 Minute später und forderte für den Wiederaufbau 1 Milliarde US-Dollar.

Auslöser der Initiative war die Einrichtung eines Kontrollposten der US-Grenzschutzbehörde, um illegale Einwanderer aufzuspüren. Der Posten schnitt Key West vom Festland ab. Der Tourismus, Haupterwerbsquelle der Bewohner von Key West, brach ein. Eine Klage der Stadtregierung vor einem US Gericht scheiterte. Daraufhin erklärte Key West am 23. April 1982 seine Unabhängigkeit. Der Kontrollposten verschwand, der Unabhängigkeitstag blieb.

Passend zum Leitgedanken der Conch Republic „Saving The Humans Initiative – with uncommon sense“ finanziert sich diese nicht durch Steuern, sondern durch Spenden ihrer Bürger. Staatssekretär Peter Anderson erklärte dazu einmal: „We don’t believe in taxes for the Conch Republic. When we need to raise money we throw a party.“ Die Conch Republic erhebt keinen territorialen Anspruch, sondern versteht sich als „state of mind“. Ein Gutachten der Universität Wien soll ihr dennoch einen völkerrechtlichen Status bestätigen. Tatsächlich werden Pässe ausgestellt (für 100 USD), die sogar mit Visa abgestempelt werden sollen.

Das Motto der Conch Republic weist der Freiheit einen Weg: „We seceded, where others failed.“