Kontraproduktive Brexit-Härte

Endlich eine andere Stimme! In den Mainstream-Medien wird antiliberale Härte gepredigt, wenn es um den Austritt Großbritanniens geht. Ich hatte diese einseitige Medienperspektive im Beitrag Autoritäre EU und liberale Briten kritisiert. Nun äußert ein profunder politischer Empiriker in einer lesenswerten Zeitschrift ebenfalls Kritik und weist auf die für die Briten günstigere Ausgangslage hin.

Die Rede ist von Gunnar Heinsohn in Cicero: Deutsche Härte ist fehl am Platz. Eine Auswahl seiner Zahlenargumente im Vergleich Briten – Deutsche:

  • Die Bevölkerung ist um 6 Jahre jünger (lediglich 41 Jahre statt 47 Jahre in Deutschland).
  • Die Steuer- und Abgabenquote ist schon jetzt 5% niedriger (35%).
  • Die Matheleistungen der Schüler sind im Königreich dramatisch besser als in Deutschland.
  • Die Flüchtlings- und Migrationskosten belasten Deutschland in Billionenhöhe (bis 2020).
  • Großbritannien ist nicht auf eine verbesserte EU-Verteidigungsgemeinschaft angewiesen.
  • Die EU verliert den zweiten EU-Zahler mit 11,5 Milliarden Euro pro Jahr und an Deutschlands Hacken hängen 15 Empfängerstaaten.

Heinsohns Empfehlung für Kompromisse: freie Arbeitsplatzwahl von freier Sozialhilfewahl trennen. Daran habe Deutschland das stärkste Interesse: „Immerhin sprang die Zahl der Nicht-EU-Ausländer, die Hartz IV beziehen, von 130.000 im Jahre 2010 auf 979.000 im Jahre 2015. Dazu kommen 440.000 EU-Bürger, die Sozialhilfe aus deutschen Kassen beziehen. Jährlich fallen für beide Gruppen knapp 20 Milliarden Euro an – kein Pappenstil. Wer mit London nach Kompromissen sucht, wird hier fündig.“