Kleine Medienrevolution notwendig

Jeden Tag bricht sich die Unzufriedenheit mit den etablierten Medien mehr oder minder stark Bahn. Schon das Wort „etabliert“ verkörpert die Kritik. Kritiker werfen den etablierten Medien eine voreingenommene, selektive Berichterstattung vor. Verteidiger sehen im Wort etabliert einen Kampfbegriff – ähnlich wie Lügen- und Lückenpresse oder Fake News.

Die Auseinandersetzung mit der Qualität der Medien scheint in dieser Form neu zu sein. Das gilt zumindest für die Kritik an der Voreingenommenheit und der ideologischen Einseitigkeit. Zugleich ist die Kritik berechtigt, nicht pauschal, aber in einer unübersehbaren Zahl konkreter Fälle.

Woran liegt das? Meine Vermutungen: 1. Die neuen Medien bieten eine Fülle neuer Perspektiven. Viel mehr Menschen kommen zu Wort als das noch im Printzeitalter mit Leserbriefen der Fall war, die Journalisten können mit viel mehr Expertise konfrontiert werden – nachvollziehbar in den sozialen Medien. 2. Teile der etablierten Medien bieten erkennbar schlecht oder gar nicht recherchierte Produkte an. Die Agenturen geben im Tagesgeschäft den Ton an und werden von jungen Redakteuren mehr oder minder aufgehübscht. 3. Die politischen Standpunkte der Masse der Medienvertreter passen nicht mehr zur vielfältigeren öffentlichen Meinung. Die links-grüne Ideologie ist nicht mehr zeitgemäß. Das liberale und vor allem konservative Lager hat keine verbindliche mediale Heimat. 4. Die staatlichen Medien sind in vielerlei Hinsicht, im Grunde in jeder, ein Anachronismus. 5. Die politische Krise geht mit einer medialen Misere einher.

Der letzte Punkt macht einen historischen Vergleich interessant. In der Weimarer Republik gab es vereinfacht zwei Arten von Medien: Die Boulevard-Presse berichtete über Sensationen, regelmäßig auch aufgebauscht und auf unlautere Weise. Die politisch relevanten Zeitungen waren an Parteien gebunden und besaßen einen klaren politischen Standpunkt. Genau das wollten die Zeitungsleser: Berichte, die ihren politischen Perspektiven und Wertevorstellungen entsprächen. Parteien, Politiker, Journalisten und Leser bildeten seit dem 19. Jahrhundert Milieus. Die mediale Landschaft war vielfältiger, konturierter und konfliktträchtiger. Stabilisierend wirkte indes, dass es keine einheitliche mediale Skandalisierung geben konnte. Das galt jedoch weniger in der Auflösungsphase, die ab 1928 insbesondere die politische liberale Mitte, aber auch das Parteiensystem insgesamt erfasste. Die liberalen und konservativen Leser verloren ihre Heimat, während die Dominanz des nationalkonservativen Medienkonzerns Hugenberg beträchtlich angewachsen war.

Vermutlich entspräche eine strukturell ähnlich konturierte Vielfalt heute besser der gesellschaftspolitischen Realität.