Juden, Christen und Muslime

Alle drei Religionsgruppen befanden sind in einem intensiven Dialog der Wissenschaften wie eine Ausstellung im Marin-Gropius-Bau, Berlin für den Zeitraum von 1000 Jahren zwischen 500 n. Chr. und 1500 zeigt. Das Mittelmeer bildete einen großen Kommunikationsraum. Gelehrte und Ärzte aus aller Herren Länder tauschten sich aus. Globalisierung in der Spätantike und im Mittelalter war in dieser Region als Dialog der Kulturen, besser im Dialog der Experten und Wissenssucher verschiedener Kulturen, wirksam. Zentren und Katalysatoren des fruchtbaren Austauschs waren die Herrscherhöfe von Kalifen und Fürsten sowie die sich allmählich bildenden Universitäten.

Wegweisend ist das der Ausstellung vorangestellte Zitat:

„Wir sollten keine Scham empfinden,
die Wahrheit anzuerkennen und sie
zu verarbeiten, von welcher Quelle sie
kommt, selbst wenn sie zu uns von früheren
Geschlechtern und fremden Völkern gebracht wird.“ 

al-Kindī, ~850

Die Ausstellung erweitert den Horizont. Sie zeigt vor allem Handschriften und Drucke zu den Bereichen Medizin sowie Astronomie und Astrologie und ist noch bis zum 4. März geöffnet. Eingangs werden die vier Schriftkulturen erläutert: Griechisch, Arabisch, Hebräisch und Abendländisch (überwiegend Lateinisch). Die prägnanten, erläuternden Schrifttafeln sind hier einsehbar.

Einige Auszüge:

Der wichtigste Repräsentant der in das Mittelalter tradierten griechischen Medizin ist der im 5. Jahrhundert v. Chr. tätige Arzt Hippokrates von Kos (~ 460 – 370 v. Chr.). 

Einer der bedeutendsten Vertreter der arabischen Medizin ist der aus dem Emirat von Cordoba stammende, unter der latinisierten Namens- form Abulcasis bekannt gewordene Gelehrte Abū l-Qāsim az-Zahrāwī (~936–1009/1013).

Auch das Werk des ein einflussreichsten Arztes des islamischen Ostens, der unter dem latinisierten Namen Avicenna (Abb. 1–2) bekannt gewordene Abū ‘Alī al-Husain ibn ‘Abdallāh Ibn Sīnā (973/80–1037), wurde in dieser Schule* erstmals für die lateinischsprachige gelehrte Welt aufbereitet. *gemeint ist Toledo

Es gehört zu den großen Glücksfällen der Überlieferungsgeschichte, dass mit dem als Wiener Dioskurides (Abb. 1 – 2) bekannt gewordenen Pflanzenbuch wenigstens ein zentrales Werk der spätantiken Wissensliteratur im Original erhalten ist. Die vom griechischen Arzt Dioskurides Pedanius (1. Jh.) verfasste Materia medica konzentriert sich im ausgestellten Exemplar auf die Darstellung und Erläuterung von fast 400 Heilpflanzen.