Hitler ist zurück

Zumindest gilt das für die wissenschaftliche Erforschung des Diktators. Nachdem das Interesse an seiner Person und seinem Wirken nachgelassen hatte, beleuchten mehrere neue Buchpublikationen Hitler und sein Handeln als Politiker, Feldherr, Architekt und Reisender. Die Wissenschaft zeigt nach Jahrzehnten intensiver Erforschung des Nationalsozialismus, wie viel neues Potenzial und Perspektivenreichtum die nachwachsenden Biographen und ihre Bewertungen anzubieten haben.

Der lesenswerte Text, den Johannes Hürter vom Institut für Zeitgeschichte München – Berlin für das Rezensionsjournal Sehepunkte verfasst hat, enthält einen prägnanten Forschungsüberblick von der ersten bis zur aktuellsten Hitler-Biographie. Deutlich wird, dass kein Forscher allein, die Facetten der Hitler-Diktatur und NS-Herrschaft abzubilden mag, aber viele starke Erklärungen neben einander stehen und so ein facettenreiches Lagebild durch ihre unterschiedlichen Zugänge ermöglichen. Zugleich setzen die Arbeiten Maßstäbe für gute wissenschaftliche Arbeit und bilden somit einen Kontrapunkt zu Propaganda und Fake News, von Verschwörungserzählungen ganz zu schweigen.

Besprochen werden vor allem:

  • Peter Longerich: Hitler. Biographie, München: Siedler 2015, 1296 S.
  • Wolfram Pyta: Hitler. Der Künstler als Politiker und Feldherr. Eine Herrschaftsanalyse, München: Siedler 2015, 846 S.
  • Harald Sandner: Hitler – Das Itinerar. Aufenthaltsorte und Reisen von 1889 bis 1945, Berlin: Berlin Story 2016, 4 Bde, 2432 S.

Ein Blick auf die Seitenzahlen deutet an, dass die heute omnipräsente Reduktion auf Schlagworte, bunte Bildchen und Parolen oder Executive Summaries kein Ersatz sein kann, für ein substanzielles Verständnis von Sachverhalten.