Freiheit indexiert

Mit den Indices ist das so eine Sache. Klar, sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und schießen wie Pilze aus dem Boden. Ein Vorteil ist, dass sie als Marketinginstrument dienen und die verfassenden Institute bekannter machen. Ein inhaltlicher Vorteil ist, dass sie komplexe Sachverhalte stark vereinfachen, mitunter auf den Punkt (und das Komma) bringen. Offenkundig ist das zugleich ein Nachteil, denn Komplexität verkommt zur Simplizität. Gravierender finde ich, dass sie lediglich ein Ranking der Realität abbilden. Denn, wenn es allen schlecht geht, wenn es um die Freiheit schlecht bestellt ist, dann ist der kurzsichtige Einäugige unter den Blinden der Seher. Letztlich gilt: Es kommt darauf an, was man mit ihnen macht.

Der Human Freedom Index vom Cato Institute, Fraser Institute und der Friedrich Naumann Stiftung

bietet Orientierungspunkt. Die Grundaussage ist gut belegt: Freien Menschen geht es besser. Ökonomische und persönliche Freiheit sind miteinander verbunden.

Im aktuellen Index von 2017, der Aussagen über das Jahr 2015 trifft, stehen im Länderranking ganz vorn: Schweiz, Hong Kong und Neuseeland, gefolgt von Irland und Australien. Offensichtlich, zumindest für die, die schon einmal die Länder bereist haben, unterscheiden sich die Staaten und das Leben in ihnen sehr. Ganz am Ende geht es der Masse der Menschen sichtbar übel: Venezuela, Syrien, Libyen und Jemen, aber auch Ägypten. Einige Erkenntnisse lauten:

  • Wirtschaftliche Freiheit ermächtigt Menschen zur Ausübung anderer Freiheiten.
  • Beschränkte wirtschaftliche Freiheit geht mit der Herrschaft mächtiger Cliquen einher.
  • Ohne Sicherheit und Herrschaft des Rechts gibt es keine Freiheit von Bedeutung, weil das Individuum schutzlos ist.

Zu den Absteigern seit 2008 gehören auch die USA und in besonders starkem Maße Russland. Deutschland rangiert im aktuellen Index auf Rang 16. Gar nicht so übel angesichts des zuweilen frustrierenden, nur mit Humor zu ertragenden Alltags. 2015 hat Deutschland Bestnoten in den Kategorien: Sicherheit, explizit für Frauen, Bewegungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit und in einigen Unterkategorien der Meinungsfreiheit, jedoch nicht beim politischen Druck auf und der Kontrolle von Medien. Besonders schlecht ist das Ausmaß der Regulierung. Vieles deckt sich mit meinen Alltagserfahrungen und -beobachtungen, aber nicht alles. Ich bin gespannt, was der Human Freedom Index in den nächsten Jahren gerade über Deutschland aussagt. Seit 2011 geht es bergab.