Flow als Freiheitswerk

Flow ist ein Bewusstseinszustand einer nicht mehr steigerbaren Konzentration auf eine Tätigkeit, die gleichsam automatisch routiniert und unreflektiert abläuft. Grundsätzlich ist jede Tätigkeit – vom Straße fegen über Basketball spielen bis zu einer chirurgischen Operation geeignet, um in einen Flow-Zustand zu gelangen. So weit, so bekannt.

Was das Buch „Flow. Das Geheimnis des Glücks“ für mich überaus lesenswert macht, sind zwei Einsichten: 1. Was begünstigt einen Flow-Zustand? Ordnung schaffen im Gehirn! 2. Was macht den Sinn des Lebens aus und wie gelangen wir zu einem sinnerfüllten und glücklichen Leben? Die Antwort darauf ist für jedermann strukturell gleich und zugleich doch individuell einzigartig.

Sinn lässt sich nur persönlich erschließen und muss konstruiert werden. Das gelingt dann, wenn wir in der Lage sind, unsere eigenen Bedürfnisse und Ziele benennen und verfolgen zu können, ohne dass sie durch Dritte überlagert oder verzerrt werden. Letztlich geht es darum, allen unseren Aktivitäten im Leben einen zusammenhängenden Sinn zu geben, also unsere Teilaktivitäten sinnvoll zu verknüpfen. Das ist prinzipiell für jeden Menschen möglich, ob reich oder arm, ob intelligent oder dumm.

Entscheidend ist, dass Sinn maßgeblich Bedeutung für Glück, für Glücklichsein besitzt. Nicht Vergnügen und Ablenkungen machen glücklich, sondern das Bewältigen von Herausforderungen, die selbstgesteckten Zielen dienen und unseren Fähigkeiten entsprechen. Das ist dann der Fall, wenn man weder über- noch unterfordert ist, sondern herausgefordert wird. Bei dieser Tätigkeit gilt es sich auf den Moment, auf die Aktivität selbst zu konzentrieren. Der Buddhismus lässt grüßen

Damit sind wir bei einem weiteren Aspekt des Buches, der bislang kaum Beachtung gefunden haben dürfte: Flow ist ein großes Freiheitsbuch! Mihaly Csikszentmihalyi hat eine Antwort auf die Frage formuliert, wie wir in Freiheit leben können. Dreh- und Angelpunkt des Buches ist ein geradezu humboldtsches Ansinnen: die proportionierlichste Bildung der Kräfte zu einem Ganzen. Das gelingt dann, wenn ich aus eigenem Antrieb und Willen meinen Zielen folge und mich so weit wie möglich von den Wünschen, Anforderungen und Wertsetzungen anderer Menschen unabhängig mache. Damit ist keine Isolation, kein Eremitendasein gemeint. Menschen sind soziale Wesen, aber wir können auf unsere Umwelt unterschiedlich reagieren und unser Bewusstsein beeinflussen, es lenken, es ordnen. Dieser Ordnungsakt kann der persönlichen Befreiung dienen und ein überaus konstruktives, Konflikt milderndes Zusammenleben befördern – von wahren Persönlichkeiten.

Dieses Freiheitswerk setzt beim einzelnen Menschen an. Es ist voraussetzungslos. Es ist nicht erforderlich auf eine Freiheitsrevolution zu warten. Freiheit beginnt hier und jetzt – mit mentaler Fitness.

Michael von Prollius