„Empört Euch!“ – (m)ein Zwischenruf

Stéphane Hessel (1917-2013) hat Frankreich und einen Teil der Welt mit seiner kurzen Streitschrift bewegt (2010). Der Deutsch-Franzose schreibt nicht nur, er sieht auch aus wie ein Elder Statesman, allerdings nicht wie ein Politiker der ersten Reihe, sondern ein tatkräftiger Gentleman aus einer der Reihen dahinter.

Grund zur Empörung über die Missstände gab und gibt es genug in Europa. Schade nur, dass ein so angesehener Gentleman sich für die falschen Mittel entschieden hat – vielleicht sogar sein ganzes Leben lang.

Es spricht einiges dafür gegen die politischen „Eliten“ anzutreten und gegen die mit ihnen verflochtene Finanzoligarchie. Beide versorgen sich mit Privilegien. Die einen verdienen durch das staatliche Währungsmonopol mit seinem Kreditgeldmechanismus haftungslos und hemmungslos, die anderen bekommen Kredit über alle Maßen.

Umso misslicher ist das Plädoyer Hessels für (noch mehr) soziale Gerechtigkeit und Umverteilung. Nie zuvor wurde derartige Summen aus Steuergeldern und durch Verschuldung über den Staat umverteilt. Der langjährige VN-Mitarbeiter und Diplomat wurde im Krieg zum Sozialisten und hat diese Prägung nie abgeschüttelt. Wer in der Widerstandsgemeinschaft kämpfte und durch Sartre und Hegel geprägt wurde, vertritt wohlfeile Ziele, deren Verwirklichung aber aussichtslos bleiben muss.

Die (relativ) Armen werden nicht durch Umverteilung wohlhabender, sondern durch mehr Produktion. Privilegienentzug für die Eliten ist ein weiterer unerlässlicher Schritt. Schließlich ist das beste Wohlfahrtsprogramm eine Entrümpelung des rigiden Arbeitsrechts und die Entfesselung unternehmerischen Wachstums. Das ist es, was die Armen in den letzten zwei Jahrhunderten reich gemacht hat. Nicht Umverteilung, sondern das Recht der Freiheit, das für alle gleich gilt, sorgt für Gerechtigkeit.

Misslungen ist Hessels Einschätzung der palästinensischen Hamas, bei mancher Differenzierung, die nicht irgendeine Widerstandsgruppe ist, sondern erklärtermaßen Israel mit militärischen Mitteln beseitigen und einen islamischen Staat errichten will. Israel kämpft seit seiner Staatsgründung ums Überleben; nicht immer mit den richtigen Mitteln, nicht immer verhältnismäßig, gerade gegenüber den Palästinenser mitunter kontraproduktiv. Indes lässt sich Israel nicht nur angesichts der dramatischen strategischen Lage auch bewundern. Israel ist ein Leuchtturm in der rückständigen arabischen Welt. Die Hamas ist eine Terrortrümmertruppe.

Was bleibt? Verwunderung und Kopfschütteln, aber auch Sympathie für einen Gentleman, der durch Mises, Hayek und Hazlitt die richtigen Mittel für seine Ziele gefunden hätte.

Michael von Prollius