Eine gelbe Gefahr

Während Europa mit sich selbst, mit Migrantenströmen und gerne auch mit dem amerikanischen Präsidenten beschäftigt ist, baut sich eine teils subtile, teils demonstrative Bedrohung auf: China strebt die Weltherrschaft an, nicht weniger – mehr geht nicht.

Die ökonomischen Infrastrukturprojekte der neuen Seidenstraße sind weithin bekannt, sie besitzen eine beträchtliche machtpolitische Dimension. Die facettenreichen Aktivitäten in Afrika, an dessen Horn jüngst der erste ausländische Marinestützpunkt errichtet wurde, dürften auch vielen Menschen geläufig sein. Die wirtschafts- und geldpolitischen Aktivitäten werden seit langem öffentlich diskutiert.

Weniger bekannt ist indes die subtile Politik der Einschüchterung und Aushöhlung westlicher Institutionen. Auf sie macht in der FAZ Mark Siemons aufmerksam. In seinem Artikel Der Beginn des chinesischen Zeitalters illustriert der langjährige China Korrespondent hellsichtig am Beispiel des staatlichen Drucks gegen Cambridge University Press, den ältesten Verlag der Welt, welcher Mittel sich Peking bedient:

„Die grundsätzlichste Analyse liefert ausgerechnet die „Global Times“, eine Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas, die kein offizielles Sprachrohr der Regierung ist, aber so gut mit den Pekinger Führungskreisen vernetzt, dass sie deren Gedankengänge meist präziser als andere wiedergibt. Ob dieser oder jener wissenschaftliche Artikel der „China Quaterly“, heißt es dort, im chinesischen Internet zu finden sei, sei letztlich nicht so wichtig; in Wirklichkeit gehe es um eine „Prinzipienfrage“. Die weltweite Dominanz der westlichen Werte habe auf der Macht des Westens beruht; nun aber werde China mächtig und erwerbe die Fähigkeit, seine eigenen Interessen zu behaupten. „Das eigentliche Thema ist: Welche Prinzipien spiegeln am besten die Zeit, in der wir leben? Das hier ist ein Machtspiel. Nur die Zeit wird zeigen können, wer richtigliegt.“

Der Westen ist gut beraten, sich seiner Stärken zu besinnen und an ihnen festzuhalten, darunter Meinungsfreiheit, die es in manchen Bereichen leider erst wiederherzustellen gilt, und Freiheit der Wissenschaft. Der Staat hat sich jenseits seiner Schutzfunktion zurückzuhalten – bloß keine chinesischen Verhältnisse.