Ehe für alles

Was hat der Staat mit der Entscheidung zweier Menschen zu tun, die beschließen eine dauerhafte Verbindung einzugehen? Alles und nichts!

Die private Entscheidung über die persönliche Lebensweise bedarf keiner staatlichen Institution. Verträge können Menschen privat schließen. Lediglich für ihre Durchsetzung kann letztlich eine dritte, ggf. staatliche Institution erforderlich sein.

Allerdings ist die Ehe von Beginn eine private Entscheidung, die mit der öffentlichen Sphäre in Verbindung steht. Einerseits werden in der Regel Rituale vollzogen, die auf eine öffentliche Bekräftigung des privaten Entschlusses abzielen und Signalfunktion besaß. Andererseits haben weltliche und religiöse Herrscher die Ehe für ihre Zwecke genutzt, etwa für Bündnisse und Friedensschlüsse, aber auch für wirtschaftliche Zwecke, z.B. auch durch Kaufleute.

Die Aufgabe des Staates ist die Durchsetzung des Rechts unter dem alle Menschen gleich sind. Faktisch fließen kulturelle Aspekte in die Rechtsbildung ein, Kultur und Recht wandeln sich. So hat der Staat erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland eine Zivilehe geschaffen und gegenüber der religiösen privilegiert. Die historische Normalität ist die Ehe zwischen Mann und Frau mit dem Ziel, eine Familie zu gründen. Das Christentum (und die damit verbundenen Sitten) hat die (monogame) Ehe zur legitimen Form der Familiengründung gemacht. Diese Auffassung ist seit relativ kurzer Zeit weder allgemeingültig noch maßgeblich.

Da der Staat die Ehe wirtschaftlich und rechtlich privilegiert, gehen von dieser Praxis Anreize aus. Ein wesentlicher Bestandteil der Ehe – die wirtschaftlich-soziale Dimension – ist durch den Staat verstärkt worden. Die rechtliche Sonderstellung bestand bereits im Römischen Reich, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen, wahrscheinlich aber auch aus Stabilitätsgründen.

Die Ehe für alle setzt die staatliche Privilegierung fort, nunmehr von Paaren gegenüber (zeitweise) Alleinstehenden. Der nächste Schritt ist die Ehe für Singles. Single-Hochzeiten nehmen in Japan bereits rapide zu.