Die Klimafrage

Gastbeitrag von Ivan Paulavets

Zwei Fragen sollen in diesem Zusammenhang vorab geklärt werden:

(1) Welchen Inhalt hat der sogenannte Klimakonsens?
(2) Wie kam das Ergebnis zustande?

zu 1: Die Studie von John Cook, die immer wieder als Quelle für den 97%-Konsens dient, besagt lediglich, Wissenschaftler sind sich einig, dass der Mensch zur Klimaerwärmung beiträgt. Nur diejenigen, die CO2 als komplett klimaunwirksam ansehen, werden zu den 3% gezählt. Damit ist sogar Donald Trump einer von den 97%, denn auch er sieht mittlerweile CO2 als etwas erwärmend an. Zur Frage, in welchem Ausmaß der menschliche Einfluss relevant und wie gefährlich der Klimawandel eigentlich ist, liefert die Studie von Cook keinerlei Aussagen. Zudem wurden viele Ansichten berücksichtigt, die nicht von Klimawissenschaftlern stammen.

Im Spiegel schrieb Axel Bojanowski: „Die Studie belegt also lediglich eine Banalität: Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass der Mensch zur Klimaerwärmung beiträgt. Selbst hartgesottene Kritiker der Klimaforschung zweifeln nicht an dem physikalischen Grundsatz, dass Treibhausgase aus Autos, Fabriken und Kraftwerken die Luft wärmen.

Zu den eigentlich entscheidenden Fragen jedoch macht die Cook-Studie keine Aussage: Wie groß ist der menschengemachte Anteil am Klimawandel? Und wie gefährlich ist der Klimawandel? Die bedeutendsten Fragen der Umweltforschung sind weitaus schwieriger zu beantworten – und hier gehen die Meinungen der Wissenschaftler weit auseinander. Die Kontroversen und Unsicherheiten dazu dokumentiert sorgsam der aktuelle Uno-Klimabericht auf Tausenden Seiten.”

zu 2: Der sogenannte Klimakonsens von 97 Prozent wird als Zirkelbezug innerhalb einer Teilmenge von 4.014 der ursprünglich untersuchten 12.465 wissenschaftlichen Arbeiten berechnet und nicht etwa auf der Basis der Gesamtheit aller Arbeiten.

Von den rund 12.000 Veröffentlichungen bestätigte nur rund ein Drittel der Wissenschaftler, 32,6 Prozent, die Ansicht, dass die globale Erwärmung durch Menschen verursacht sei (Anthropogenic Global Warming – AGW), 97 Prozent dieses Drittels, nicht der Gesamtmenge, hielt “die jüngste Erwärmung vor allem von Menschen gemacht”. Die Mehrheit der Wissenschaftler, 66,4 Prozent, bezog gar keine (!) Position zum AGW.

In der NZZ ist unter der Überschrift “Kein Konsens über den Klimakonsens” eine ähnliche Einschätzung getroffen. Dort wird die problematische Arbeitsweise von Cook thematisiert, die wissenschaftlich nicht belastbar ist. Wörtlich heißt es, dass Kritiker auch die korrigierte Zahl nicht akzeptieren könnten. „Lege man strenge Massstäbe an, blieben von den 97,1 Prozent gerade noch 1,6 Prozent übrig.“ und der Artikel endet mit dem Satz: „All das beweist eigentlich nur eins: Von einem Konsens über den Klimakonsens ist man weiter denn je entfernt.“

Mehr Details bietet folgende konzise Einschätzung: Cook’s survey not only meaningless but also misleading.

Wenn das also der berühmte Konsens ist, fragt sich, wozu die ganze Hysterie?

Im Übrigen möchte ich neun Einwände und Anregungen geltend machen:

1. Klimaforschung ist keine normale Wissenschaft, da sie mittlerweile völlig politisiert wurde und in den letzten Jahren gar kein Interesse mehr an neuen Erkenntnissen besteht. Man hat sich auf eine Theorie geeinigt, fertig.
Das widerspricht zutiefst den Prinzipien von Wissenschaft und erinnert mehr an eine Sekte.

Die Zusammenarbeit mit der Umweltlobby ist für viele Klimawissenschaftler eine Selbstverständlichkeit. Das heißt nicht, dass die Forschungsergebnisse zwingend falsch sind, aber es stellt die “Klimaforscher” eben in den Verdacht, nur eine Agenda zu vertreten. Es drängt sich die Frage auf, ob es bim Klimaschutz-Hype wirklich um Klimaschutz geht. Auffällig ist die Tendenz, über das Thema diverse andere Anliegen voranzutreiben. Vielen “Klimabesorgten” scheint es vor allem um die Abschaffung des Kapitalismus bzw. Ablehnung von Wirtschaftswachstum, technologischem Fortschritt und vermeintlich exzessivem Konsum zu gehen. Wie sonst lässt sich der enge Fokus auf Verzicht, Regulierung, Deindustrialisierung und Subventionierung wenig beeindruckender “Erneuerbarer” erklären?

Und um nochmal das Stichwort “Wissenschaftlichkeit” aufzugreifen: Spätestens seit dem Climategate-Skandal ist offensichtlich geworden, dass persönliche Ansichten allzu häufig mit wissenschaftlichen Fakten vermischt werden und es vielen Klimatologen weniger um die Wahrheit, als viel mehr um die Vorherrschaft in den Medien und ihre Einflusssphäre innerhalb der Wissenschaftsgemeinde geht.

DerSpiegel-Artikel Heißer Krieg ums Klima enthält dazu viele erhellende Details und sei zur Lektüre empfohlen.

2. Alles, was die sogenannteKlimawissenschaft vorweisen kann, sind keine Belege, sondern Hypothesen, die – über den Umweg komplizierter Computermodelle – den Rang eines objektiven Beweises beanspruchen. Und diese Berechnungsmodelle liegen nicht nur deswegen chronisch daneben, weil das Klima als chaotisches System sich grundsätzlich einer Prognose entzieht (wie es das IPCC in seinem 3. Bericht (TAR) selber feststellte), sondern weil sie außerdem für ihre Berechnungen Grundannahmen– Parameter, Anfangsbedingungen etc. – benötigen, die kein Wissenschaftler wirklich kennt, zumBeispiel
– die
weitgehend unklare Korrelation zwischen kosmischer Strahlung und Wolkenbildung,
die große Unbekannte: die Wolken,derenRelevanzfürdas Klimanicht von der Hand zu weisen ist, fallen durch das Raster der Klimamodelle.

Ferner:
– Was passiert bei
derErderwärmung mit dem Golfstromsystem ?
– Gibt es weitere relevante Faktoren, die uns vielleicht gar nicht bewusst sind oder deren Einfluss derzeit unterschätzt wird?

3. Methodisch liegen die Klimastudien nicht im Bereich der Naturwissenschaften, sondern des Historizismus. Nicht das wiederholbare Experiment ist Quelle der Erkenntnis, sondern eine Modellrechnung mit Daten der Vergangenheit prognostiziert einen hypothetischen Kausalverlauf, der sich weder beweisen noch widerlegen lässt. Das ist der Kern derKlimaforschung insgesamt. Denn Daten, die aus komplexen Phänomenen gewonnen werden, können nie als Beweis dienen. Wenn einer in einer Studie mit Mathematik und einzelnen bekannten Kausalitäten herum doktort, einmal kräftig umrührt und das noch mit gewollter politischer Aufmerksamkeit abschmeckt, dann ist das Ergebnis eher einZaubertrank als Medizin. Allein die Tatsache, dass die Computer-Klima-Modelle nicht einmal die Klimavergangenheit richtig nachbilden könnten, müsste eigentlich genügen, um zu erkennen, dass die Klimaforschung erst am Anfang steht und man daher Behauptungen mit dem Unterton absoluter Wahrheiten tunlichst unterlassen sollte.

4. Nichts ist beständiger als der Klimawandel. Es ist überaus empfehlenswert, sich die Temperaturentwicklung der letzten 3.000 Jahre anzusehen. Allein in den letzten 1.000 Jahren wechselten nämlich drei mittelstarke Schwankungen einander ab: die mittelalterliche Warmzeit von 1100 bis 1350 wurde von der Kleinen Eiszeit abgelöst, die 1900 zu Ende ging. Seitdem erleben wir eine Rückerwärmung, in deren Zwischenphase wir uns gerade befinden. Fest steht also: Schwankungen im Klima, auch große, gab es immer. Erwärmung, Anstieg eines Meeresspiegels, Schrumpfen von Meereis und Gletschern etc. All das ist weder beispiellos noch bemerkenswert und liegt auch in keinem Fall außerhalb der Bandbreite der natürlichen Variabilität. Auch was die Geschwindigkeit betrifft ist der aktuelle Wandel nicht ungewöhnlich. Rasante Klimaveränderungen treten von Natur aus auf, die sogenannte Misox-Schwankung vor 8.200 Jahren etwa brachte einen globalen Temperatursturz von circa drei Grad Celsius innerhalb von 150 Jahren. Die globale Erwärmung kann also nicht als Störung des „natürlichen Gleichgewichts“ betrachtet werden. Ein solches Gleichgewicht gab es nie.

5. Auch wenn das Klima nun also wärmer wird und das CO2 dazu maßgeblich beitragen sollte, ist das noch lange kein Grund in eine Massenhysterie zu verfallen. Vielmehr wäre zu fragen, welche Risiken und welche Chancen diese Entwicklung beinhaltet. Warmzeiten sind jedenfalls eher als wirtschaftliche und kulturelle Blütezeiten in die Geschichte eingegangen.

6. Der anthropogene Klimawandel ist nicht in erster Linie ein Problem für die Natur, sondern für den Menschen. Das liegt an der umfangreichen physischen Infrastruktur (Städte, landwirtschaftliche Flächen), die wir in Küstennähe geschaffen haben und die durch einen steigenden Meeresspiegel bedroht wäre. Eine rationale Antwort auf die globale Erwärmung könnte aus Maßnahmen zum Schutz küstennaher Gebiete und einem längerfristigen Engagement im Bereich der Entwicklung, Verbesserung und breiten Implementierung emissionsarmer Energieerzeugungstechnologien bestehen.

7. Bisher hat der anthropogene Klimawandel keine größeren Probleme verursacht. Im Gegenteil nehmen im Zusammenhang mit dem Klima stehende Todesfälle seit Jahrzehnten dramatisch ab. Die Gründe dafür sind der technologische Fortschritt und der steigende Wohlstand. Wenn Extremwetterereignisse heute Menschenleben fordern, dann liegt das nicht am Klimawandel, sondern an Armut und Unterentwicklung. Ob das Risiko von Extremwetter durch den Klimawandel überhaupt zunimmt, bleibt höchst umstritten. Selbst der IPCC, wahrlich kein Hort der “Klimaskeptiker”, kam zu der Schlussfolgerung, dass eine globale Zunahme extremer Hitze und extremer Niederschläge wahrscheinlich sei, jedoch keine von Orkanen, Tornados, Fluten und Dürren. Ausgerechnet Hitze und starke Niederschläge verursachen aber von allen Arten von Extremwetterereignissen die geringsten Schäden. Ein großflächiger Stromausfall hätte mit Sicherheit weitaus bedeutendere Folgen als die viel beschworene “Klimakatastrophe”.

8. Es ist im Übrigen vollkommen vermessen zu glauben, das Klima lasse sich auf dem heutigen Stand dauerhaft aufrechterhalten oder dass wir ein Anrecht auf ein optimales Klima hätten. Aus welchem Grund nehmen wir überhaupt an, das heutige Klima wäre “optimal” für uns? Der Mensch musste sich in Vergangenheit oft genug an klimatische Veränderungen anpassen und sollte auch dieses Mal seine Ressourcen nicht dafür verschwenden, Unabwendbares abwenden zu wollen.

9. Letztlich ist Politik, die darauf abzielt den Klimawandel durch eine Reduktion des CO2-Ausstoßes abzuwenden, in einer zum größten Teil noch nicht industrialisierten Welt, in der die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten noch dramatisch ansteigen wird, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Erwartung, die Menschheit würde ihre CO2-Emissionen in einem nennenswerten Ausmaß senken ist bei einerBerücksichtigung der derzeit stark steigendenWeltbevölkerung und des Entwicklungsstandes der meisten Länder vollkommen utopisch. Mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand wird das jedenfalls nicht gelingen können. Statt dessen sollte man lieber für etwaige Risiken Vorsorge treffen und in konkrete Schutzmaßnahmen investieren. Besser angelegt wäre das Geld damit allemal.

 

Credits:Kolja Zydatiss,Andreas Tiedtke,Eckhard Mackh