Desaströse Inflation ist Folge von Staatsversagen

1376385781_deflationDie Weltwirtschaftskrise ab 1929 gilt als Deflationsmenetekel. Sie war indes viel mehr – der Kulminationspunkt eines Staatsversagens mit katastrophalen Ausmaßen, mithin Ausdruck eines durch den Ersten Weltkrieg und die Versailler Verträge zerrütteten internationalen Finanzsystems, einer (infolgedessen) nicht tragfähigen Auslandsverschuldung Deutschlands, einer Protektionismusspirale, die die internationale Arbeitsteilung zerstörte, eines unbezahlbaren Wohlfahrtsstaates bereits in der Weimarer Republik, einer desaströsen Politik des New Deal in den USA. In Deutschland und Amerika handelte es sich um eine Doppelkrise aus inflationärem Wachstum und Strukturproblemen.

Deflation in einer Marktwirtschaft ist hingegen ein Prosperitätsphänomen: Für einen Großteil der Bevölkerung sinken die Preise spürbar, der Geldwert steigt, der Produktivitätsfortschritt wird sichtbar; bei einer Krisenbereinigung erfolgt die Rückkehr zu gesunden Verhältnissen. Die Vorteile einer reinigenden Krise liegen auf der Hand – wer will schon ein Europa aus Dreckspatzen?

Zurück zum Deflationsmenetekel – der Kreditkontraktionsdeflation. Wilhelm Röpke, herausragender Konjunkturtheoretiker seiner Zeit, sprach von sekundärer Deflation (und sekundärer Krise) und meinte damit eine sich selbst nährende Abwärtsspirale aus sinkender Nachfrage, sinkenden Einkommen und sinkenden Investitionen bei steigendem Sparen – einer krisenbedingten Mengen- statt Preisanpassung, kurz einer Produktionskrise mangels Nachfrage. Das ist ziemlich genau die Angst, die heute geschürt wird. Röpke befürwortete 1931 eine staatlich initiierte Re-Expansionspolitik lediglich als absoluten Ausnahmefall. Warum? Nicht aus ökonomischen, sondern aus politischen Gründen gesellschaftlicher Stabilität. Zugleich war er überzeugt: „Jede Krise bereinigt sich selbst“. Deshalb sei eine Zinssenkung sinnlos, die lediglich die Liquidität erhöhe, nicht aber zu Investitionen führe.

Wer fürchtet Deflation? Angst haben die, die bereits bei einer geringfügigen Preisdeflation Probleme bekommen: Banken und Regierungen! Deflation bedeutet, dass die ökonomischen Gesetze regieren – politische Bypässe und Interventionen auf der Grundlage politischer Vernetzung helfen nicht. Inflation geht mit politischen Privilegien einher. Die Inflationsprofiteure erhalten das billige Geld zuerst, während die Bürger das Nachsehen haben. Inflation macht unseriöse Wirtschafts- und Verschuldungspolitik tragfähig, gibt Spielraum für Sonderkredite und Konjunkturprogramme, verteilt noch mehr Geld von Sparern und seriös wirtschaftenden Haushalten und Familien an Wahlstimmenfänger, Sozialingenieure und Karrieristen. Deflation hingegen entmachtet Politik. Deflation bedroht das herrschende Establishment und das verfehlte Geldsystem.