Der strategische Blick auf die Massenzuwanderung

Erich Weede gehört den Menschen, die etwas zu sagen haben. Dabei vermag er Breite und Tiefe in seinen Überlegungen mit einem nüchternen Blick auf die Realität zu verbinden. Politik, Soziologie, Ökonomie sind Felder, die er erfolgreich bestellt – zusammen mit interkulturellen Themen, wobei ein Schwerpunkt in Asien liegt.

Zur Herausforderung der Massenmigration hat sich Erich Weede in den „Orientierungen“ der Ludwig Erhard Gesellschaft im Juni 2016 geäußert. In dem etwas ausführlicheren Beitrag geht er der Frage nach, welche Auswirkungen die Massenzuwanderung auf die alternden europäischen Sozialstaaten hat. Ich greife einige Aspekte heraus und gebe sie aus meiner Perspektive wieder:

  • Die Kostenbilanz fällt bereits negativ aus und bleibt es absehbar dauerhaft. Gründe sind eine verschlechterte Humankapitalbasis, höhere Steuerlasten und zusätzliche Freiheitseinschränkungen. Statt einer Sanierung von Staatsfinanzen und Sicherungssystemen werden diese zusätzlich belastet.
  • Die Integrationsbilanz fällt negativ aus und bleibt es absehbar auch dauerhaft. Die Masse der Einwanderer bringt weder ausreichende kognitive Fähigkeiten noch das Wissenskapital für Wohlstand mehrende Arbeitsplätze mit. Gewohnheiten, Normen und Verhaltenserwartungen bergen nicht nur im Geschlechterverhältnis erhebliches Spannungspotenzial: „Je fremder die Kultur des Herkunftslandes ist, desto größer sind die Integrationsprobleme.“ urteilt Weede.
  • Kulturelle Heterogenität in Maßen bereichert, im Übermaß sorgt sie weltweit für politische Instabilität – vom Balkan über Nah-/Mittelost bis zu den USA und Nordirland. Entscheidend sind nicht die Zuwanderer, sondern deren Kinder. Die machen bei den unter Zehnjährigen durchschnittlich bereits ca. ein Drittel aus und in Schwerpunkten über 60%. In den nächsten zwei Jahrzehnten wird sich bei fortgesetzter Massenzuwanderung Deutschland kulturell und politisch substanziell von der Bonner und Berliner Republik unterscheiden.
  • Die Massenzuwanderung bläht die Staatstätigkeit weiter auf. Die wirtschaftliche Freiheit wird reduziert, auch andere Freiheiten kommen etwa durch neue Sicherheitsherausforderungen unter Druck.
  • Eine tragfähige Strategie kann sich an Erfahrungen Israels und der USA orientieren: Massiver (europäischer) Grenzschutz, gezielte Auswahl von Zuwanderern, Abbau des Sozialstaats.

Nach meinem Eindruck gibt es in der jungen, weltoffenen Generation viel Zustimmung für offene Grenzen und Migrationsfreiheit. Neben einer Fülle bereits ausgetauschter Argumente möchte ich auf zwei Dinge hinweisen: die Langfristperspektive und die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Kosten. Diejenigen der jungen Generation, die Massenzuwanderung als Bereicherung empfinden, werden ihr Leben lang auch mit den Herausforderungen und Belastungen konfrontiert werden – es sei denn, sie wandern aus.