Buch des Monats November 2015

Henry Hazlitt: Economics in one lesson. The shortest and surest way to understand basic economics, Three Rivers Press, New York 1979 (Erstauflage 1946), 218 S., deutsch: Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft, FBV, München 2014, 24,99 Euro

Die Kunst guter Wirtschaftspolitik, besteht darin, nicht nur die aktuellen, sondern vielmehr die langfristigen Wirkungen der Politik zu betrachten; zugleich gilt es die Folgen der Politik nicht nur für eine Gruppe, sondern für alle Gruppen zu berücksichtigen, weshalb gute Wirtschaftspolitik allgemeingültig sein muss. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt von „Economics in one lesson“, dem mit Abstand bekanntesten Buch von Henry Hazlitt.

Der Bestseller schaffte es zunächst „nur“ auf Platz 6 der Sachbücher-Bestsellerliste der New York Times, weil das Buch nach wenigen Wochen ausverkauft war. Insgesamt wurden 700.000 Stück der ersten Version verkauft. Berücksichtigt man die nachfolgenden Auflagen und Übersetzungen in acht Sprachen bis zum Ende der 1970er Jahre, dann hat sich diese wirtschaftspolitische Einführung in die Grundprinzipien von Marktwirtschaft und Interventionismus millionenfach verkauft. Die Zahl der Leser dürfte noch einmal ein Vielfaches betragen.

Hazlitt entlarvt in seinem binnen nur drei Monaten neben seinen journalistischen Verpflichtungen geschriebenen Band bis heute verbreitete ökonomische Trugschlüsse und führt in grundsätzliche ökonomische Prinzipien ein. In 25 konzisen Kapiteln wird die eingangs genannte Lektion vermittelt, von Steuern über den Fetisch Vollbeschäftigung bis zu Preisen, Mindestlöhnen und Inflation. Zeitlos bedeutsam ist die Erkenntnis, dass staatliche Eingriffe zwar kurzfristig erwünschte Zustände bewirken können, langfristig stiften sie indes Schäden, die über das Ausmaß des beklagten auslösenden Zustandes weit hinausgehen. Mindestlöhne sind ein Beispiel.

Folgende Kurzformeln lassen sich zusammenfassend prägen:

  • Das Zerstören oder Abwracken von Gütern erzeugt keinen Wohlstand, sondern vernichtet ihn.
  • Öffentliche Arbeiten, Konjunkturprogramme eingeschlossen, bedeuten Steuer(erhöhungen) – Steuern beschränken und entmutigen Produktion.
  • Kredite im Übermaß verzerren die Produktionsstruktur und verursachen Krisen.
  • Streitkräfte und öffentliche Angestellte, Beamte eingeschlossen, verbrauchen Wohlstand, ihre Entlassung senkt Staatsausgaben, erhöht privaten Wohlstand und unternehmerische Freiräume.
  • Zölle schützen nicht die Verbraucher, sondern Sonderinteressengruppen. Die Wohlfahrt aller anderen sinkt. Das Gleiche gilt für nicht-tarifäre Handelshemmnisse.
  • Exportsubventionen bedeuten Ausländern Geschenke machen auf Kosten der inländischen Bevölkerung, die privilegierten Exporteure ausgenommen. Konsumenten profitieren vom Import.
  • Preisfixierungen durch die Regierung (Mindest- und Höchstlöhne) führen zu Arbeitslosigkeit und stören die Produktion (das Angebot sinkt oder wird künstlich erhöht). Sie zielen auf das Herz der Marktwirtschaft und sind unmoralisch.
  • Gewerkschaften erzeugen regelmäßig Arbeitslosigkeit indem sie die Löhne nur für ihre Mitglieder erhöhen. Zugleich reduzieren sie die Reallöhne insgesamt und verzerren die Produktionsstruktur.

Friedrich August von Hayek bezeichnete das Buch als „brilliant“; er kenne kein Buch, von dem man so viel über die Grundsätze der Ökonomie in so kurzer Zeit lernen könne. Bezeichnender Weise war die deutsche Übersetzung über zwei Jahrzehnte lang vergriffen und ist erst seit wenigen Jahren als relativ teures Hardcover erhältlich.

Hazlitt wurde vom Erfolg überrascht zumal das Buch für ihn nichts Neues enthielt. Seine Einschätzungen stellten lediglich kompakte Ausführungen seiner zahlreichen wirtschaftspolitischen Kommentare und Buchrezensionen dar. Indes hat sich Hazlitt mit seiner Hommage an Frédéric Bastiat „Was man sieht und was man nicht sieht“ („Ce qu’ont voit et ce qu’on ne voit pas“) selbst ein Denkmal gesetzt. Das einführende, von Bastiat übernommene Beispiel einer zerstörten Scheibe, deren Erneuerung als vermeintlicher Wohlstandstreiber gilt, sollte bereits in der Grundschule gelehrt werden. „Economics in one lesson“ ist ökonomische Volksbildung, die Hazlitt auf hohem publizistischen Niveau allgemeinverständlich vermittelt.