Buch des Monats Mai 2015

James Tooley: The Beautiful Tree. A personal journey into how the world’s poorest people are educating themselves, Cato Institute, Washington 2009, 303 S., Hardcover 20,03 Euro, Paperback 9,73 Euro.

James Tooley hat die Welt bereist, die ärmsten der Armen besucht – in ihren Schulen. Sein Buch machte Furore – Tooley gewann den „Gold Prize“ der Financial Times und der International Finance Coporation beim Wettbewerb „Annual Private-Sector Development Competition“. Die Rede ist von „The Beautiful Tree“. Das Ergebnis seiner mehrjährigen Studien vor Ort lautet: In Indien und Afrika, auf dem Land und in den Städten wollen und können die Ärmsten der Armen alle ihre Kinder auf kostenpflichtige Privatschulen schicken; sie ziehen diese den kostenlosen staatlichen Schulen aufgrund der besseren Qualität vor. Die Eltern, regelmäßig Analphabeten, nehmen die Bildung ihrer Kinder erfolgreich selbst in die Hand. Die unternehmerischen Schulleiter und engagierten Lehrer agieren unter typischen Marktbedingungen zum Wohle aller.

Diese Erfolgsgeschichte wurde lange geradezu unterdrückt. Das gilt gerade auch für die Entwicklungshelfer, die die private Initiative weder gesehen haben noch Ernst nehmen, geschweige denn unterstützen wollten. Dabei nutzten Ende der 1990er Jahre 80% der Stadtbevölkerung und 30% der Landbevölkerung private Schulen. Der Entwicklungshilfeansatz lautet: Wenn wir nur mehr Geld in das bestehende staatliche System pumpen und das Personal besser qualifizieren, dann wird das Schulsystem besser.

Dieser Ansatz ist offenkundig naiv. Er blendet das Anreizsystem aus, das in einer Marktwirtschaft einen kontinuierlichen Entdeckungsprozess schafft. Das ist das berühmte Entdeckungsverfahren (im hayekschen Sinne). Versuch, Irrtum, erneuter Versuch ist die Triade, nach der Innovationen entstehen. Der Wettbewerb mit anderen Schulen und die Sorge, dass das eigene Angebot nicht mit dem anderer Schulen mithalten kann, sorgen für die schnelle Verbreitung von Verbesserungen. Die Schulleiter baten James Tooley auf seinen Reisen ständig darum, Ihnen Verbesserungen mitzuteilen und Vorträge über Neuerungen und Best Practices zu halten. Die Lehrer waren auf eine Weise motiviert, die auch Tooley immer wieder erstaunte. Das hat einen guten Grund: Die Eltern wechselten regelmäßig die Schule, wenn sie mit dem Angebot unzufrieden waren und eine andere Schule bessere Bedingungen anbot. Schulleiter und Lehrer trugen echte Verantwortung und waren gleichsam haftbar für ihre Leistungen.

Folglich sollte es nicht überraschen, dass sich die privaten Lehrer als die besseren Lehrer erwiesen, bei allen unübersehbaren Unzulänglichkeiten. Erstens waren sie in der Schule und unterrichteten, während das in den Staatsschulen regelmäßig nicht der Fall war. Zweitens, und wichtiger, war das Engagement viel ausgeprägter. Die Lehrer machen den Unterschied. Und diese Erkenntnis besitzt Allgemeingültigkeit. Mit dem Lehrer steht und fällt der Bildungserfolg – über alle Fächer hinweg, weltweit. Dabei sind offenkundig die Bedingungen unterschiedlich: In den ärmsten Regionen der Welt lässt sich mit einfachen Mitteln erfolgreich die Aufmerksamkeit der Schüler gewinnen. In der entwickelten Welt bilden Smartphones und multimediale Designs eine Konkurrenz.