Buch des Monats März 2016

Roland Baader: Das Ende des Papiergeldzeitalters. Ein Brevier der Freiheit, hg. v. Rahim Taghizadegan, Verlag Johannes Müller, Bern 2016, 238 S., 22,00 Euro.

Roland Baader (1940-2012) war ein feinfühliger Freigeist, zudem mutig und klarsichtig, zuweilen auch derb und deftig, wenn es gegen Verlockungen zur Unfreiheit ging. Seine vielfach wortgewaltigen Publikationen zeugen von einem Menschen, der als Unternehmer und unabhängiger Publizist mit beiden Beinen mitten im Leben stand, der seinem Vornahmen alle Ehre machte – als Ritter mit breitem Schwert zum Schutz der Bürgerrechte. Roland Baader machte hin und wieder keine Gefangenen. Er teilte die Welt in gut und schlecht oder böse. Vier Jahre nach seinem Tod ist nun ein überaus gelungenes Brevier erschienen, das einen Überblick und viele Einblicke in sein umfangreiches Werk bietet.

Das „Brevier der Freiheit“ ist mit dem Titel „Das Ende des Papiergeldzeitalters“ überschrieben. Roland Baaders erste Monographie befasste sich mit Gold, seine letzte mit dem Geldsozialismus. Stets warnte er vor den Anmaßungen, die in Gedanken und Taten die freie, friedliche Kooperation der Menschen beeinträchtigen, ihnen schaden und schlussendlich zum Ende einer Epoche der Illusionen führen würde. Als Nähr- oder Brennstoff sah er das Papiergeld an, das mit dem Vertrauen in das herrschende System steht und verfällt.

Roland Baader war Warner und Mahner, Übersetzer und Popularisierer der Ideen weithin vergessener und vernachlässigter Freiheitsphilosophen; er war Brückenbauer zwischen den geistigen Gedankengebäuden von Philosophen und Ökonomen einerseits und den alltäglichen, leichthin übersehenen Herausforderungen unserer Zeit andererseits. Wer sich auf seine Schriften einlässt oder das Glück hatte, ihn persönlich kennenzulernen, der entdeckt einen Publizisten, der besorgt war um das Wohl seiner Mitmenschen, der ein aufrechter Gegner aller Freiheitsfeinde, intellektueller Blindgänger und Rattenfänger war. Da er polarisiert und auch für die Freiheit polterte, gilt es immer wieder die vielen Zwischentöne in seinem Werk herauszuhören. Eine seiner herausragenden Leistungen besteht darin, zeitgenössische (und zeitlose) Strömungen erkannt und durch die Kraft und Klarheit großer Freiheitsdenker als fundamentale Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft identifiziert zu haben – ob Antikapitalismus („totgedacht“), Wohlfahrtsetatismus („Wider die Wohlfahrtdiktatur) oder Geldkrise („Geld, Gold und Gottspieler“, „Geldsozialismus“).

Neben der Kritik finden sich viele Freiheitsfunken im Brevier, das auch zwei biographische Begleittexte und einer Bibliographie versammelt. Gegliedert ist es in 16 Abschnitte im Kapitel „Feinde der Freiheit“ und in fünf Abschnitte im Kapitel „Grundlagen einer freien Ordnung“ sowie einem Kapitel „Plädoyer für den Kapitalismus“. Das Brevier ist nicht nur sein Geld wert, sondern ideal geeignet, um über die vielen Einsichten und manche Leichtfertigkeit des Freiheitsdenkers aus Waghäusel nachzudenken. Zwei Zitate mögen als erster Denkanstoss dienen:

Was wir in den letzten Jahrzehnten im papierenen Kreditrausch vorausgefressen haben, werden wir in den nächsten Jahrzehnten nachhungern müssen. Es wird furchtbar werden.“

Prellbock zwischen den divergierenden Kräften sinkender Leistungsmotivation und wachsender Anspruchsmentalität ist der Staat, der den alles entscheidenden Fehler begangen hat, sich als Quelle des Wohlstandes auszugeben und als Garant der Rechte eines jeden Staatsbürgers auf das irdische Paradies. Hieraus resultiert eine gigantische Überbewertung der Politik, der Politiker und Funktionäre ebenso wie ein faktisches Machtmonopol der bürokratischen Kader in einem Ausmaß, wie es ein freiheitlicher Staat noch nie gesehen hat.