Buch des Monats Januar 2016

Henry Hazlitt: The Conquest of Poverty, Erstauflage 1973, Neuauflage Auburn 2007, 240 S. (kostenloser Download: Mises Institute)

Erst die Marktwirtschaft hat für massenhaften Wohlstand gesorgt – Marktwirtschaft bleibt ausnahmslos das beste Mittel gegen Armut. Überall dort, wo sich Marktwirtschaft nicht entfalten kann, wo in guter Absicht interveniert wird, werden die Armen schon mittelfristig noch ärmer, während die Marktwirtschaft Schaden nimmt. Das ist der rote Faden, der den zeitlos wertvollen Band durchzieht.

Perspektivenreich betrachtet

Der amerikanische Publizist Henry Hazlitt (1894-1993) und zweitweise namhafteste (klassisch) Liberale in den USA blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf Armut und ihre Überwindung: Aufschlussreich sind zunächst die wirtschaftsgeschichtlichen Analysen, darunter die Überwindung von Hungersnöten durch die Entstehung der Marktwirtschaft im Rahmen der Industriellen Revolution, die Armenhilfe in Rom, die bereits wohlfahrtsstaatlicher Systematik folgte, stetig ausgedehnt wurde und einen wichtigen Faktor für den Untergang des Römischen Reiches darstellt. Auch die kontinuierlich ausgeweitete, aber kontraproduktive Sozialhilfe in England seit 1536 und die gigantische Ausdehnung des Wohlfahrtsstaates in den USA vom New Deal bis zum Anfang der 1970er Jahre (171 Mrd. US-Dollar Ausgaben, über 1.500 unterschiedliche Programme, ungebremst wachsende Wohlfahrtsbürokratie) nimmt Hazlitt kritisch, aber abwägend unter die Lupe.

Mythen entlarvt

Zu den Mythen, die Hazlitt eindrucksvoll widerlegt gehört die Auffassung, der Staat könne Arbeitsplätze schaffen.T atsächlich werden lediglich die regelmäßig erforderlichen Strukturanpassungen von Kapital und Arbeit behindert. Zudem überzeugt die Argumentation wie Gewerkschaften Realeinkommen reduzieren. Hazlitt erläutert wiederholt warum das wahre Problem der Armut nicht die Verteilung, sondern die Produktion ist. Tragisch ist das Beispiel der Schwarzen, die von Mindestlöhnen besonders negativ betroffen waren. Hazlitt verwirft Grundeinkommen, Negative Einkommenssteuer und Progressive Einkommenssteuer, weil sie den Armen mehr schaden als den Reichen.

Arme und Reiche

Werden die Reichen im Kapitalismus reicher und die Armen ärmer? Das Verhältnis zwischen den Einkommen, die die Eigentümer eines Unternehmens und die Beschäftigten erzielen, beträgt ungefähr 20 : 80! Außerdem gleichen sich in Marktwirtschaften die Einkommenszuwächse von Armen und Reichen, wenn es überhaupt eine Tendenz gibt, dann die Verringerung der Schere, urteilt Hazlitt. In Entwicklungsländern ist der Anteil der vermögendsten 5 Prozent der Bevölkerung weitaus größer als in Marktwirtschaften. Es ist der Mythos der Produktion und seiner anschließend lediglich vermeintlich besseren Verteilung, den Hazlitt auf einer gesättigten empirischen Grundlage entlarvt, weil Produktion und Verteilung nun einmal ein simultaner Prozess ist.

Trotz aller Kritik sieht er eine systematische Hilfe bei medizinischer Versorgung und Schulbildung als öffentliches Gut und Staatsaufgabe an. Da Armut geradezu willkürlich definierbar sei, regt der Selfmademan an, vom Subsistenz-Niveau auszugehen, bei dem der Mensch über eine angemessene Gesundheit und Schaffenskraft verfüge.

Was ist wichtig?

Worauf es bei der Überwindung von Armut ankommt, fasst Henry Hazlitt abschließend in zwei gut unterlegten Thesen zusammen: Langfristorientierung und Aufgabe der irrigen Auffassung, die Produktion sei eine feste Größe, die nur „gerecht“ zu verteilen sei. Die Aufgabe des Staates ist dabei denkbar einfach: “Die Hauptsache, die der Staat tun kann, um die Probleme der Armut und der Arbeitslosigkeit auf ein kleineres Ausmaß zu reduzieren, ist, die freie Marktwirtschaft zu erlauben und zu fördern, damit sie funktioniert.