Buch des Monats Februar 2015

Gérard Bökenkamp: Ökonomie der Sexualität. Von der Liebesheirat bis zur Sexarbeit, Finanzbuchverlag Edition Lichtschlag, München 2015, 240 S., 17,99 Euro.

„Der Schutz der sexuellen Freiheit fußt auf dem Schutz der allgemeinen Freiheit und dient zugleich ihrer Aufrechterhaltung.“ konstatiert Gérard Bökenkamp in seiner klassisch liberalen Studie. Das Grundgesetz der sexuellen Freiheit lautet dementsprechend, der Staat sollte nicht befugt sein, sexuelle Handlungen zu verbieten und zu verfolgen, wenn die Beteiligten mündig sind und einvernehmlich handeln. Grundlage bilden das Recht am eigenen Körper und das Recht, Verträge abzuschließen.

Der Band ist eine gelungene Übertragung und Weiterentwicklung der Ideen der Österreichischen Schule auf einen Lebensbereich vermeintlich fernab der Welt von Mises, Hayek, Rothbard und anderen ehrwürdigen Sozialphilosophen. Das zeigt sich nicht nur am Perspektivenreichtum der ökonomischen, philosophischen, historischen und nicht zuletzt politischen Herangehensweise an das Themenfeld Sexualität, sondern an der Anwendung auf gesellschaftspolitisch weitreichende Themen. So würde eine konsequent liberale Gesellschaft den Menschen statt einer Staatsehe die Vorteile einer privaten Notariatsehe bieten. Sexarbeit würde in einer freien Gesellschaft keinen (diskriminierten) Sonderstatus besitzen; absehbar würde der freie Markt Zwangsprostitution besser eindämmen als es Behörden möglich ist.

Zuvor entwickelt der Historiker und liberale Publizist in vier Kapiteln „Theorien zur Ökonomie der Sexualität“, „Verhandlungen auf Beziehungsmärkten“, „Politische Ökonomie der Sexualität“ und „Kapitalismus und liberale Sexualethik“. Im Mittelpunkt steht die Maximierung des „psychischen Einkommens“, einem immateriellen, überwiegend emotionalen Gewinn, den Individuen auf der Grundlage begrenzter Informationen und Ressourcen mit individuellen Strategien anstreben und dazu Verhandlungen und Tauschhandlungen anstreben. Lehrreich für jedermann dürften nicht zuletzt die Ausführungen zu den Beziehungsmärkten einschließlich der Teilmärkte sein. Auch in diesem Sinne ein Buch in bester Österreichischer Tradition: eine Musteranalyse für die Praxis. (mvp)