Buch des Monats April 2016

Pierre Bessard (Hg.) Europa: Die Wiederentdeckung eines grossen Erbes, Zürich 2015, 263 S., 24,80 Euro.

Ein klasse Titel für einen überaus lesenswerten Sammelband; dabei haben es Sammelbände eigentlich schwer, die vom Liberalen Institut sind davon stets ausgenommen.
Die europäische Idee ist von der EU-Ideologie verschüttet; sie wiederentdecken zu können, das ist der Verdienst von Pierre Bessard, der namhafte Denker versammelt hat. So widmen sich in drei Abschnitten Ralph Raico, Roland Vaubel und Philippe Nemo den historischen Erfolgsgrundlagen Europas, behandeln Pascal Salin, Philipp Bagus und Michael Wohlgemut die Lage der EU (am Scheideweg) und bilanzieren Gerd Habermann, Gerhard Schwarz und Beat Kappler die Erfolgsfaktoren und Belastungen der Schweiz. Eingerahmt werden die Fachbeiträge von einem anregenden Vorwort zum Verhältnis Schweiz – Europa – EU, das Marina Masoni beigesteuert hat, von einer klugen ideengeschichtlichen Einführung, die Pierre Bessard verfasst hat und einem Ausklang, einem essentiellen perspektivischen Fazit von Erich Weede über Europas Stellung in der Welt.
Hervorgehoben seien an dieser Stelle lediglich einige wenige, aber fundamental bedeutende Erkenntnisse:
– Die Kultur oder Zivilisation entscheidet über Erfolg und Misserfolg: Fähigkeiten, Einstellungen, Sitten, Institutionen sind ausschlaggebend und unterscheiden die Kulturen der Welt. Für Europa kommt dem Mittelalter eine unterschätzte Vorreiterrolle zu.
– Der Wettbewerb der Staaten dient dem Wohl der Bürger und ihrer Freiheit – Zentralismus ist die Vorstufe zum Verfall: Die liberalen Klassiker haben es stets gewusst und in eindrucksvoller Vielfalt aufgezeigt, die moderne Empirie hat es noch einmal bestätigt.
Ferner:
– Harmonisierung ist überflüssig – die Welt ist der Markt: Dieses globale Prinzip zeigt sich auch am Erfolg der Tigerstaaten.
– Die Schweiz war bisher die Antithese zu Kollektivismus, Machtkonzentration, Monokultur und Gleichschaltung. Sie sollte daher nicht als kleine Randerscheinung, sondern als großes Vorbild betrachtet werden.
– Europa ist durch Recht, Freiheit und Eigentum eine weltweit führende Zivilisation geworden und wird es nur bleiben, wenn diese drei Werte und institutionellen Errungenschaften (wieder) Maßstab politischen Handelns und Denkens sind.
Mit den Worten von Roland Vaubel: „Die Geschichte Europas zeigt .. , dass ein politisch fragmentierter Kontinent trotz vieler kleiner und einiger katastrophaler Kriege genug friedlichen Wettbewerb hervorbringen kann, um den monopolistischen Herrschaftsstrukturen von Grossreichen weit überlegen zu sein.“

Michael von Prollius