Autoritäre EU und liberale Briten

Der Brexit wirft seine Schatten voraus. Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde. Das politische Klima wird rauer. Während Juncker und Merkel erst einmal Härte zeigen, konterte May mit britischer Toughness: Jean-Claude Juncker will be the next person to discover that she can be a „bloody difficult woman“.

Der Frontverlauf scheint eindeutig zwischen Brexit-Befürwortern und -Gegnern zu verlaufen. Drei Dinge sind dabei für mich bemerkenswert – als Befürworter des Brexit:

  1. Medien, insbesondere deutsche Medien, scharren sich um das Juncker-Merkel-Gespann. Es fehlt nicht an pro EU und anti May Untertönen. Die durchsichtige Scheinneutralität dokumentiert, warum der Vorwurf „Lügenpresse“ zurecht erhoben wird. Stellungnahmen gehören in Kommentare, nicht in Meldungen.
  2. Kontinentaleuropäische Politiker und Medien verwenden eine Sprache, die im Sinne Rosenbergs nicht für gewaltfreie Kommunikation taugt. Von Strafen, Härte, Rechnung präsentieren ist die Rede. Das Handeln von Juncker und anderen EU-Adepten ist latent autoritär, selbstvergessen, konfrontativ. Das ist die beste Werbung für weitere Austritte. Wenn die Führer eines Clubs keine Anstrengungen unternehmen ihr Angebot substanziell zu verbessern, sollte das jedermann in der Entscheidung bestärken, auszutreten.
  3. Der NZZ zufolge arbeitet eine liberale britische Gruppe von Ökonomen an einer vielversprechenden Alternative zu Verhandlungen: „Die Economists for Free Trade – unter anderen die Professoren Patrick Minford und Tim Congdon, der Unternehmer James Dyson und der Bankier John Craven – halten für den Fall, dass sich die EU aus britischer Sicht nicht kooperationswillig verhalte, die unilaterale Übernahme der Regeln der Welthandelsorganisation und die Senkung der Importtarife auf 0% für die optimale Strategie. Roger Bootle, Präsident von Capital Economics, erwartet von diesem Vorgehen eine mit der Abschaffung der Corn Laws im Jahr 1846 vergleichbare Stärkung des Freihandels.“

Klasse! Ich stelle mir das so vor, dass bei absehbar scheiternden Verhandlungen die Briten einfach einen Schlussstrich ziehen, die Verhandlungen abbrechen und unilateral Fakten schaffen würden. Die EU würde noch stärker unter Zugzwang geraten. Aber dort kommt ja niemand auf die Idee, die jedem kleinen Kind mit auf den Weg gegeben wird: Ich bin nicht gut genug – also muss ich mich verbessern.